Citadel

Agoraphobie, Hoodie-Horror & ein winziges Budget

von Leimbacher-Mario
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Ein Mann muss aus einem kaputten Fahrstuhl mit ansehen, wie seiner schwangeren Frau von einer Gang Halbstarker eine Drogenspritze in den Bauch gerammt wird. Das Baby überlebt, sie stirbt nach einiger Zeit im Krankenhaus & dem gebrochenen Mann bleibt nun nur noch die Kleine als Hoffnungsschimmer in einer grauen, britischen Ghetto-Welt. Und die fiesen Teenager scheinen ihn bis zur Wohnung zu verfolgen, aus der er sich sowieso nicht mehr wirklich heraus traut. Sind das überhaupt Teenager, oder geht in der Welt da draußen mittlerweile schon viel Schlimmeres vor?

Der Film lief vor 2 Jahren auf den Fantasy Filmfest Nights & ging dort wohl etwas unter, vom Gefühl her. Ich kam jetzt erst zum Vergnügen & muss sagen: durchaus ein empfehlenswerter, atmosphärischer Low-Budget-Horror von der Insel. Ein sozialkritischer Ansatz, eine tolle Vermittlung der Krankheit Agoraphobie (Angst, das Haus zu verlassen), ein grauer Depri-Look & einige spannende Home-Invasion-Momente. Da leidet man schon mit, denn der arme Mann hat nicht nur die Liebe seines Lebens verloren, muss nun sein Baby verteidigen, er kämpft auch sehenswert gegen seine inneren Ängste & Dämonen. Außerdem will ihm kaum einer glauben, dass es sich bei den Gangstern um etwas viel Bösartigeres handeln könnte.

Die Schauspieler geben ihr Bestes, fallen aber eigentlich weder positiv noch negativ auf. An Effekten wurde budgetbedingt gespart, wenn man was sieht, ist das Creature-Design aber gruselig. Sowieso wird viel improvisiert & abgeblendet, was dem Kopfkino & der verwahrlost-verängstigten Stimmung aber sogar noch eher hilft als schadet. Schade ist eigentlich nur das schwache letzte Drittel, welches wohl tempo- & actionreicher erscheinen soll, aber bei weitem nicht so creepy funktioniert wie vieles davor, teilweise sogar langweilig oder mit dem blinden Jungen unfreiwillig komisch. Die besten Szenen sind einfach, wenn der sowieso schon fertige Protagonist (der oft etwas wie Pete Doherty aussieht) durch die Tunnel & Straßen verfolgt wird, man in Spiegelungen die Hoodie-Monster rumschleichen sieht oder man einen kaputten Kapuzen-Freak regungslos vor seiner fast offenen Glastür stehen sieht, vor allem, wenn man selbst genau so eine Tür hat!

Fazit: auch wenn der Film hinten raus dann doch recht gewöhnlich & mau wird, machen ein gelungener Spannungsaufbau & viele Gänsehaut-Momente in der ersten Hälfte plus das sensible Krankheits-Thema genug Punkte.
Leimbacher-Mario

14.04.2016, 13:17



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