crazy

Painless

Schmerzen, die die Welt bedeuten

von Leimbacher-Mario
"Insensibles" aka "Painless" wird oft mit Meisterwerken wie "Pan’s Labyrinth", "The Devil’s Backbone" oder "Das Waisenhaus" verglichen - nicht zu unrecht, selbst wenn diese Vorbilder vielleicht etwas hoch gegriffen sind. "Painless" erzählt zwei Geschichten gleichzeitig, die wenig überraschend gegen Ende zusammenlaufen. Nicht nur wenig überraschend, sondern auch gehörig unlogisch & unpassend zum ruhigen Rest des Films. Und trotzdem ist Juan Carlos Medinas Gruseldrama ein verdammt guter Spanier, wie man es mittlerweile fast schon gewohnt ist aus unserem liebsten Urlaubsland.

In der einen Geschichte wird in den frühen 30ern eine grausame Anstalt in Zeiten der Franco-Diktatur mit Kindern gefüllt, die scheinbar keinen körperlichen Schmerz fühlen können. Die Parallelstory spielt heutzutage & erzählt von einem Mann, der bei einem Autounfall Frau & Kind verliert, eine Krebsdiagnose bekommt & sich nun auf die Suche nach seinen echten Eltern macht...

Krieg, Leid, Schuld, Schmerzen - immer wieder beeindruckend, wie Spanien die eigene faschistische Geschichte in Genrefilmen (!) verarbeitet. Woanders undenkbar, allen voran in Deutschland. "Painless" verliert sich & seinen Weg gegen Ende minimal, Geduld ist hier eine geforderte Grundtugend jedes Zuschauers, der nur eine kleine Chance auf eine tiefere Verbindung zu diesem Kriegsgrusler haben will. Doch wenn es hier klickt, dann so richtig. Gefolterte Kinder, selbst, wenn diese scheinbar schmerzlos sind, sind sogar für härtere Gemüter schwer zu ertragen. Doch Schock oder Horror stehen hier ziemlich weit hintenan. Im Vordergrund steht die eigene Geschichte, das Umgehen mit Schmerzen & das Verarbeiten von Traumata.

Viele der Protagonisten sind gefühllos - der Film bietet diese dafür umso mehr, wenn man die Bilder voller Kälte & Schmerz in die Seele einziehen lässt. Hervorragend besetzt, technisch versiert, baut sich eine mystische Atmosphäre auf, in die man versinken kann. Ganz ganz große & beklemmende Bilder. Vor allem im Kriegsteil der Geschichte läuft "Painless" zu Gänsehaut-Höhen auf. Wäre da nicht der wesentlich langatmigere & öde Part in der Gegenwart, der trotzdem unumgänglich ist, könnte der wunderschöne National-Alptraum zu einem spanischen Klassiker aufsteigen!

Fazit: ein unterschätzter & wirklich emotionaler spanischer Mystery-Thriller, der geduldigen Zuschauern tief unter die Haut geht. Die gespenstisch schönen Bilder lassen Logiklöcher & kleine Längen sekundär erscheinen. Eine der wichtigeren spanischen Produktionen der letzten Jahre!
Leimbacher-Mario

06.02.2017, 23:08



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