Livid

Prima Todes-Ballerina

von Leimbacher-Mario
Lange bevor dieses Kinojahr drei Kleinkriminelle bei einem brutalen Blinden einstiegen, taten ihnen das in Frankreich drei Halbstarke gleich, ebenso mit dem Wunsch auf die große Beute & durch ein leichtes Opfer angestachelt. Doch anders als im diesjährigen, recht realistischen Thriller "Don’t Breathe", lassen die "Inside"-Schöpfer in "Livid" die Ballerinas tanzen. Märchenhaft, blutig & extrem schaurig. Einen größeren Schnitt zur modernen Blut-Legende "Inside" konnten die zwei Regietalente kaum machen, doch ihre Verbeugung vor dem europäischen Fantasy-Horror à la Argentos Mütter-Trilogie, ist definitiv ein verdammt gruseliger, atmosphärischer Wurf. Mir persönlich gefällt "Inside" zwar eindeutig besser, doch gerade Fans von teuflischen Horror-Märchen können starken Gefallen an diesem fantastischen Home Invasion-Twist finden. Denn in dieser schaurig-schönen Villa können sich nicht nur die naiven Einbrecher verlieren, sondern auch wir Zuschauer.

Das Setting & die altehrwürdige Atmosphäre sind hier das absolute Highlight. Selten wird man vom Zusammenspiel aus hypnotischem Sound & geisterhaftem Haus, von Gore & Magie, von Schauer & Schock, so in seinen Bann gezogen. Hier beweisen die zwei Herrschaften Bustillo & Maury Klasse, Fingerspitzengefühl & ein Auge für den Oldschool-Euro-Grusel. Wem "Inside" also zu hart & erbarmungslos war, der sollte sich auf diese Grusel-Mär für Erwachsene einlassen. Der Film kommt sehr langsam in die Gänge & ist in großen Teilen eine Art sozialer Kommentar, was in Frankreich fast zur Tagesordnung gehört. Darauf muss man sich erstmal einlassen & die Konzentration aufrechterhalten. Doch sobald das Trio im Haus der teuflischen Koma-Ballerina angekommen ist, lässt das morbide Märchen nicht mehr locker. Der Ton, der Style, die Gestalten, Fallen & Todesarten - als ob "Silent Hill" auf eine Alptraumversion des Schwanensees trifft. Die Luft in den alten Gemäuern kann man spürbar schneiden. Und obendrauf wie immer bei den zwei Herren: Beatrice Dalle in einer kleinen, fiesen Nebenrolle.

Was dem Film zum ganz großen Haunted-House Meilenstein fehlt, ist vor allem eine glaubhafte & sympathische Charakterzeichnung. Bei diesen drei Einbrechern hat man weder wirklich Mitleid noch Angst um sie. Viel mehr ergötzt man sich am Innen- & Eigenleben des Hauses. Romantik trifft auf Schauer, Nostalgie auf untotes Gewebe, Gore auf Melancholie. Gerade der finale Teil hat es dann jedoch überraschend nochmal in sich, selbst wenn der Film eine kohärente & nachvollziehbare Geschichte stellenweise völlig vernachlässigt & sich in seinen Spukhaus-Schauwerten verliert. Gäbe es hier gut geschriebene Protagonisten, mit denen man sogar mitfiebert, und/oder eine Story, die man versteht & die im Gedächtnis bleibt, dann wäre "Livid" auf "Inside"-Niveau & ein weiteres Meisterwerk. So bleibt ein bockstarker, positiv angestaubter Grusler, mit dem die zwei jungen Regisseure ihre Bandbreite zeigen & sich für Höheres empfehlen.

Fazit: Ganz anders als "Inside" & weit von dessen Meisterklasse entfernt, aber trotzdem eigen & ziemlich gut. Vor allem die Atmosphäre & die schaurigen Bilder lassen einen wohligen Schauer & Funkeln in den Augen von langjährigen Genrefans aufkommen!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Cinedom, Köln

19.10.2016, 13:30



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