crazy

A Tale of Two Sisters

Sister (Erschr-)Act

von Leimbacher-Mario
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„A Tale of Two Sisters“ ist ein richtig heftiger Grusler aus Korea, der die dortige, meist hervorragende Horror-/Thrillerwelle mit losgetreten hat. Er ist eine Mixtur aus Familiendrama und Geistergeschichte, aus „The Untold Story“, „The Handmaiden“, „Heavenly Creatures“ und „Ju-On“, allerdings sperriger und intelligenter hochgezogen, eleganter und edler vorgetragen, emotionaler und niederschmetternder aufgelöst. Erzählt wird von zwei Schwestern, die nach längerer Krankheit in ihr Elternhaus zurückkehren. Dort empfängt sie ihr Vater und dessen strenge, biestige neue Ehefrau. Und als sich zu den Zwistigkeiten und Anspannungen zwischen den Mädels im Haus auch noch geisterhafte Erscheinungen und gruselige Träume gesellen, verdichtet sich das ungewohnt sprunghafte Puzzle zu etwas wahrhaft Schaurigem aus Schuldgefühlen, Terror, den Schatten der Vergangenheit und purer Angst...

Dass die Koreaner Thriller können, ist wie gesagt mittlerweile hinlänglich bekannt. Aber „A Tale of Two Sisters“ war meiner Meinung nach wirklich ein Kickstarter für diesen gnadenlos-guten, bis heute anhaltenden Schwung von Spannungshochkarätern. Obwohl es natürlich auch aus den Jahren vorher schon ein paar Entdeckungen gibt. „A Tale of Two Sisters“ sollte aber dennoch jeder zumindest einmal gesehen haben, der Filme wie „I Saw the Devil“, „Parasite“, „The Wailing“ oder „Burning“ etwas abgewinnen kann. Fans von „Ringu“ und Co. natürlich auch. Aber diese dramatische Geschichte ist weit mehr als nur ein weiterer Asiahorrortipp mit Mädchen mit langen Haaren vorm Gesicht. Man hat es hier meiner Meinung nach viel mehr mit einem echten Diamanten in der Krone des asiatischen Kinos zu tun. Der Wiederspielwert ist durch den auf den ersten Blick etwas undurchschaubaren Aufbau enorm, die (zum Teil unangenehm laute) Soundkulisse fährt oft genug in die Knochen, die Stilistik und Kameraarbeit sind prägend und meisterhaft, die Darsteller spielen famos und einige der Wendungen, Entwicklungen, Beziehungen untereinander sind derart perfide, dass es selbst geübteren Zuschauern eiskalt den Rücken runterläuft und den Boden unter den Füßen wegzieht. Wenn man es denn überhaupt auf Anhieb versteht, da man hier wirklich ungewohnt mitdenken muss. Aber die Investition an Konzentration und Gehirnschmalz lohnt sich. Denn eine solche „Ghoststory“ hat man definitiv noch nie gesehen. Und das US-Remake kann man gucken, ist wesentlich zugänglicher und simpler, sieht jedoch im direkten Vergleich kaum Land. Das Original bleibt für aufmerksame und mutige und weltoffene Zuschauer die mit riesigem Abstand bessere, ergiebigere Wahl.

Fazit: Für mich ein unumstößlicher koreanisches Spannungshöhepunkt. Abgefuckt, twisty, klassisch, atmosphärisch und mehr Gänsehaut erzeugend als tausend Fingernägel auf einer Tafel. Egal ob in Sachen Familiendrama oder Geistergrusel - daran messen sich bis heute fast alle asiatischen Angsteinjäger. Wunderschön furchtbar!
Leimbacher-Mario

16.10.2019, 15:25



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