Das letzte große Puzzleteilvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Mit dem intensiven Kinoereignis „Fire Walk With Me“ schließt David Lynch den Kreis rund um „Twin Peaks“, stellt gleichzeitig ein paar neue Mysterien in den Raum und lässt uns, völlig befreit von Fernsehfesseln, in die letzten lebenden Tage von Laura Palmer eintauchen, die zu ihrem grausamen, gewaltsamen Tod und überhaupt erst zu den vielen aufbrechenden dunklen Geheimnissen in dem titelgebenden Städtchen führen… Jazz und andere Jagdgebiete „Fire Walk With Me“ ist sowas wie der große Kinobruder von „Twin Peaks“ und eines der letzten großen Puzzleteile in diesem noch immer völlig einzigartigen, brillanten und fesselnden Kosmos aus Tannen, Toden und Tarnungen. Vorher könnte man sich fragen, ob es das gebraucht hätte oder ob wir genau diese Fragen überhaupt beantwortet haben wollen. Aber Lynch tritt dieser Skepsis auf seine ganz eigene Art und Weise konsequent und völlig überzeugend entgegen. Und ich denke, danach will kein „Twin Peaks“-Fan mehr auf „Fire Walk With Me“ verzichten. Das ist mysteriös, das ist atmosphärisch, das ist bizarr und das hat mehr Spleens, Seele und Sonderbarkeiten als ganze Filmografien anderer Regisseure. „Fire Walk With Me“ ist ein Ritt auf der Rasierklinge und ein Tanz ums Feuer. Gleichzeitig Sequel wie Prequel. Und eine Ergänzung wie Rundung, wie sie nur Lynch auf die Beine stellen und nachschieben konnte. Laura Palmer ist unheimlich faszinierend - egal ob als Leiche oder im Leben. Schönheitsköniginnen bis zum Rande des Nervenzusammenbruchs geschändet. Tortur, Trauma, Todessehnsucht. Vielleicht zudem visuell die elegantesten zwei Stunden, die wir je in Twin Peaks verbracht haben. Ich kann weder meine Gedanken noch meine Augen von „Fire Walk With Me“ nehmen. Ein Satz mit X, das ist viel mehr als nix. Selbst Skeptiker sollten sich den zutrauen! Lynch zeigt hier auch unglaublich viel Empathie für seine (tote) Heldin, deren Schicksal unumgänglich ist und mit der wir trotzdem höllisch mitfiebern. Von wegen kalt, konfus und kauzig… Undefinierbar, androgyn und genial wie David Bowie. Freestyle wie Jazz. Unterschwellig wie eine Botschaft von den Sternen. Oder aus dem amerikanischen Unterbewusstsein. Und durchzogen von einem Summen, einem Stöhnen, einem Brummen und einem Dröhnen, wie man es sonst nur in Himmel oder Hölle, in Träumen oder auf Trips, auf Friedhöfen oder in Leichenhallen erlebt, spürt, erleidet. Aber ein schönes Leiden. Ein schöner Alptraum. Ein schönes „Finale“. Das ist und bleibt einer der krassesten „Vibes“ aller Zeiten - sogar kunstformübergreifend! Jetzt fehlen mir nur noch die „Missing Pieces“… Masken, Menschen… Monster Fazit: Perfekter „Abschluss“ (oder Beginn?) eines der entscheidenden und genialsten amerikanischen Film-/Serienmysterien. Ein Muss für jeden, der auch nur den Hauch für „Twin Peaks“ oder Lynch übrig hat. Und sogar alleinstehend funktioniert „Fire Walk With Me“ einigermaßen… Ein unnachgiebiges Unikum! | |
13.02.2026, 11:49 | |
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