Green Room

Madonna und Slayer

von boneless
Nach Blau kommt Grün. Nachdem Jeremy Saulnier mit Blue Ruin ein atmosphärisch unglaublich dichtes Drama auf die Leinwand gezaubert hatte, legt er nun mit Green Room nach. Die Story ist schnell erzählt. Die Punkband "Ain’t Rights" – chronisch pleite – bekommt auf eigenen Druck hin einen Ersatzgig für ein gestrichenes Konzert vermittelt. Allen warnenden Anzeichen zum Trotz spielen sie ihr Set in einem Nazischuppen und es läuft zunächst besser als gedacht. Man ist schon fast wieder im bandeigenen Van, als die Gitarristin bemerkt, dass sie ihr Smartphone vergessen hat. Pat, seines Zeichens Basser, kehrt in den Green Room zurück und platzt mitten in einen Mord. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse und die "Ain’t Rights" finden sich gefangen im Green Room wieder. Vor der Tür: Eine Horde Nazis, zu allem entschlossen.

Green Room macht spätestens ab hier keine Gefangenen mehr. Dabei überzeugt er vor allem in einem Punkt: Realitätsnähe. Die "Ain’t Rights" sind eben keine Draufgänger, die mal eben Lust haben, ein paar Nazis aufzumischen. Nein, es sind vier junge Menschen, die furchtbare Angst um ihr Leben haben. Auch die andere Seite fällt von den Klischees ab. Die Hauptakteure auf der Naziseite sind weder dumm, noch haben sie ein Interesse daran, irgendwem mal so nebenbei den Schädel einzuschlagen. Ihr einziges Ziel: Die Situation möglichst schnell und unkompliziert zu bereinigen, ohne groß Aufmerksamkeit zu erregen.

Saulnier schafft es wie schon in Blue Ruin durch eine schmerzhafte Authentizität auf beiden Seiten, dem Zuschauer richtig unangenehm an die Nieren zu gehen. Man ist angespannt, krallt sich im Kinosessel fest und der Atem stockt einem mehrmals. Dabei ist ebenfalls positiv zu bemerken, dass Green Room sich nicht in Gewalt suhlt, sondern selbige recht sparsam zum Einsatz bringt. Wenn es allerdings zur Sache geht, dann tut es gleich doppelt weh und geht einem, vor allem wegen der fast durchweg sympathischen Figuren, richtig nahe. Die Verluste schmerzen und machen Green Room zu einem harten Thriller, der seine brutalen Spitzen sehr gekonnt setzt und dem Zuschauer richtig schön langsam ins Fleisch schneidet.

Green Room geht unter die Haut und hätte vorerst Saulniers Meisterstück werden können, wenn jener es am Ende nicht doch einen Tick zu weit getrieben hätte. Die letzten 10 Minuten waren meines Erachtens nach völlig unnötig und nahmen dem Film ein ganzes Stück seiner klaustrophobischen Atmosphäre. Das war schon recht unerfreulich, denn bis dahin gab es herausragende Akteure (Patrick Stewart, wie man ihn noch nicht gesehen hat), tolle Musik und insgesamt ein filmisch sehr hohes Level. So bleibt am Ende aber immer noch ein verdammt guter Film mit einer (immerhin) sehr unterhaltsamen Schlusssequenz.
boneless
sah diesen Film im Cinestar, Berlin

12.04.2016, 22:38



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