Bedevilled

Eine Frau sieht rot

von Leimbacher-Mario
Die Koreaner mal wieder... wenn es um erbarmungslos harte Rachethriller geht, kann ihnen keiner das Wasser reichen. Egal ob "Oldboy" als Höhepunkt oder "I Saw The Devil" als blutiger Geheimtipp - da fragt man sich, wie stark dieses relativ kleine Land filmisch wäre, würde es seine Spaltung endlich überwinden... Doch genug geträumt über das Land mit der dem einst geteilten Deutschland gar nicht so unähnlichen Situation - denn "Bedevilled" verbreitet eher Alpträume als Wunschträume. Die Geschichte handelt von einer Frau aus Seoul, die auf eine abgelegene Insel fährt, wo sie aufgewachsen ist. Dort erwartet sie eine alte Freundin, einige richtig gewalttätige Charaktere (meist männlich) & eine schmerzhafte Begegnung mit der Vergangenheit...

"Bedevilled" ist ein unangenehmer Film. Egal, wie sehr man sich über die plumpe & einseitig böse Darstellung des männlichen Geschlechts aufregt, egal, wie langsam das Geschehen ins Rollen kommt, es Probleme mit der Protagonistin gibt & egal, wie sehr die Darsteller zum Overacting neigen - der Film entfacht trotzdem einen solchen Sog, eine Wut & einen Schmerz, dass er noch lange an einem nagt. Einer dieser Filme, die man nur pausiert, wenn man das Pipi schon fast in der Hose hat. Man will nicht aufhören zu gucken, man muss wissen, wie es weitergeht. Es ist eines der härtesten & abartigsten Familiendramen seit langem, gar nicht wirklich klar dem Horrorgenre zugeordnet. Doch auf Grund seiner Radikalität & überraschenden Gewaltausbrüche ist er härter als die meisten Horrorfilme. Emotional vor allem. Und so viel langanhaltender. Die wunderschönen Aufnahmen der Insel stehen in starkem Kontrast zu den dortigen Bewohnern, die scheinbar vollkommen ihre Menschlichkeit & Gesellschaftszugehörigkeit verloren haben.

Wie ein realistisches "The Hills Have Eyes" meets feministischer "Death Wish" - nur eben Korea-Style. Und Fans dieser hartgekochten Asiaten wissen, was das heißt. In diesem Land sind selbst Ehedramen härter als anderswo Hardcore-Horror (Deutschland *hust*). Wundervoll gefilmt, hypnotisch musikalisch unterlegt & auf den Punkt gelenkt, weckt dieser Film die Muttergefühle in jedermann. Von Hass, Ekel & puren Rachegelüsten ganz zu schweigen. Man kann nicht immer alle Entscheidungen der Figuren nachvollziehen & die stupide Verteufelung & Schwarz-Weiß-Malerei muss man erst mal schlucken - doch hat man sich mit der Situation angefreundet, oder hier besser angefeindet, dann hat das tödliche Stilleben einen im Würgegriff. Rache ist ein Gericht... das hier schon fast unterkühlt & schwer genießbar gereicht wird. Unbedingt sehenswert - nicht nur für Fans der genannten Kracher!

Fazit: extremes Familiendrama + Clash des sozialen Status’ + harter Rape-&-Revenge-Horror = aufwühlender Alptraum auf einer grausamen Insel. Können so nur die Asiaten. Selbst wenn charakterlich etwas zu einseitig, dick & extrem aufgetragen wird, dazu (wie so oft bei Asiaten) nicht gewusst wird, wann man zum Ende kommt... selten war das männliche Geschlecht so abgrundtief böse & hassenswert.
Leimbacher-Mario

24.01.2017, 17:07



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