crazy

Brick

Hart im Nehmen

von D.S.
"Brick" ist für mich der beste Film des FFF 2006. Ohne an der Oberfläche sonderlich innovativ zu sein, besitzt er ungeheure Kraft, Ausstrahlung und Unverbrauchtheit. Es ist einfach nicht zu glauben, daß es sich hierbei um einen Debütfilm handelt: er beschämt jeden anderen Nachwuchsregisseur, und damit meine ich nicht nur seine "Konkurrenten" in der Sparte "Fresh Blood".

Formal genau dem Schema des Film Noir folgend, präsentiert er uns direkt zu Beginn eine tote Blondine und einen Detektiv, der das Geheimnis hinter ihrer Ermordung lüften will. Dabei stößt er auf Drogen, Schläger, selbstsüchtige Beamte und verdächtige Freunde; im Wust der mysteriösen Andeutungen, kryptischen Notizen und gefährlichen Typen kann er sich zunächst nur auf einen verlassen: sein "Gehirn" und Recherchekönig Brain. Was nach einem klassischen Krimi der schwarzen Serie klingt, gewinnt ein begeisterndes Irritationslevel (und diverse Absurditäts-Lacher) dadurch, daß sämtliche Figuren hier dem Highschool-Milieu entstammen. Ob Drogenbaron oder Schnüffler, alle sind unter 21 und müssen sich mit einem Leben bei den Eltern, Geldproblemen oder auch der Schule herumschlagen.

Dabei setzt "Brick" aber nicht etwa auf den Humor der typischen amerikanischen Komödien, die in einem solchen Umfeld spielen. Alle Figuren sind stattdessen mit einer enormen Ernsthaftigkeit angelegt und zudem fantastisch gespielt; man nimmt jedem Einzelnen seine "erwachsene Rolle" jederzeit ab - im jugendlichen Körper. Aber auch sonst stimmt hier einfach alles. Die Erzählung entfaltet sich auf ungemein fesselnde Weise, dem Zuschauer wird niemals auch nur ein Funken Information auch nur einen Augenblick zu früh offenbart - und damit wird bis zuletzt für permanente Hochspannung und fröhliches Rätselraten gesorgt. Die Inszenierung ist clever und verfügt stets über ein gutes Tempo, eine Vielfalt an Charakteren und ein vollständiger Verzicht auf ablenkende Nebenhandlungsstränge steigern das Interesse an der Lösung des Mordfalls und verleihen "Brick" ein hohes Maß an sehr konzentriert wirkender Energie und Schlagkraft.

A propos, arg zurückhaltend gibt sich der Film auch hierbei nicht; es handelt sich um alles andere als einen vergeistigten, smarten Thriller mit Berührungsängsten zum dreckigen Kern des Genres. Im Gegenteil, poliert ist hier gar nichts, sondern zeigt sich trotz aller Intelligenz in Story-Aufbau und -Erzählung sehr direkt, rauh und ungekünstelt. Von ein, zwei Rückblenden einmal abgesehen, ist "Brick" vom Filmischen her sehr konventionell gehalten, was im Zusammenspiel mit den vertrackten Storywendungen aber übrigens sehr gut funktioniert. Auch in dieser Hinsicht geht die Substanz über den Stil, und das ist im Festivaljahr 2006 mehr als nur eine willkommene Abwechslung: es ist endlich mal wieder ein Film, der verstanden hat, worum es eigentlich geht. Nämlich eine fesselnde Geschichte auf fesselnde Art und Weise zu erzählen.

Ein absoluter Pflichtfilm, der im einfachen Gewand daherkommt und durch seine Energie und Fokussierung nur umso mehr überrascht. Die beiden Trailer finde ich übrigens eher abschreckend, sie können jedenfalls nicht ansatzweise vermitteln, welche Sogkraft "Brick" als Film tatsächlich besitzt. 8,5 Punkte von mir.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

03.08.2006, 06:55



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