crazy

Bomb City

No Future

von Alexander
„Oh when there’s no future
How can there be sin
We’re the flowers
In the dustbin
We’re the poison
In your human machine“
        Sex Pistols (prägende Punk Band der 70er)

Bomb City ist pures, reines, feinstoffliches Drama mit glaubwürdigen Charakteren, und in Anlehnung an wahre Begebenheiten erzählt, deren ganze Tragweite einem erst am Ende der in Rückblenden erzählten Geschichte klar wird. Der Film ist gewissermaßen auch eine Sozialstudie der Punk-Kultur, die ihren Höhepunkt zwar bereits in den späten 70er und 80er Jahren hatte, deren Anhänger und Musik es aber auch heute noch gibt. Im Mittelpunkt steht der amerikanische Punker Brian, der von Dave Davis ausgesprochen sympathisch und überzeugend dargestellt wird, und dem man trotz seiner „No Future“ - Allüren nicht wirklich böse sein kann, auch wenn man zu Punk ein ambivalentes Verhältnis haben sollte.

Der Culture Clash zwischen von unterschiedlichen Musikstilen und Überzeugungen geprägten Jugendgruppen, seien es nun die aufeinander treffenden Mods & Rocker im legendären „Quadrophenia“, oder die Gangs in der „West Side Story“, sind nicht ganz neu und werden in den Filmen der Pop Kultur immer wieder gerne zitiert. „Bomb City“ greift dieses mittlerweile sehr alte Thema erneut auf und transportiert es in unsere aktuelle Zeit, bildet die Gefühle und Ideale der Punkbewegung dabei so großartig ab, das man sich als ehemaliger Freund von Anhängern des Punk & New Wave fast gewünscht hätte, den Film 30 Jahre früher gesehen zu haben.

Brians ausgeprägte Punk-Attitüde, gepaart mit einem extremen Outfit und krawalliger Musik, führt natürlich zwangsläufig zu Reibereien mit den „sauberen“ Jungs aus der Nachbarschaft und testet die Toleranzbereitschaft, insbesondere derer, die sich für etwas „Besseres“ halten und die die versifften Punker weder verstehen noch akzeptieren möchten, sondern nur noch verachten, bis an ihre Grenzen aus…

In Anlehnung an eine immer häufiger geführte Diskussion über die Akzeptanz von Minderheiten in unserer Gesellschaft, kann dem Film natürlich eine gewisse Doppelmoral angedichtet werden. Denn zum Punk wirst Du nicht gezwungen. Als Punker wirst Du nicht geboren, Punk möchtest Du sein, und als Punk ist man sich in unserer aalglatten Gesellschaft normalerweise bewusst, das solches Verhalten auf Ablehnung, Hass & Aggression stoßen wird, was insbesondere auf die Bürger so manch stockkonservativer Kleinstadt in den USA zutreffen mag, für deren biedere Gesellschaft Punk nichts anderes ist als offene Provokation & Aggression, was in „Bomb City“ auch messerscharf herausgearbeitet wird.

Alle Personen in diesem Drama sind hervorragend charakterisiert und werden mit viel Gefühl und Emotion glaubhaft gespielt. „Bomb City“ erzählt seine Geschichte in wirklich starken Bildern, spitzt sich dramaturgisch langsam aber erbarmungslos zu und gipfelt in einem traurigen Ende mit Garantie für einen Kloß im Hals. Ein für das FFF vielleicht ungewöhnlicher, aber nicht unpassender und wirklich guter Film.
Alexander

14.08.2018, 15:22



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