crazy

Future World

No Future

von D.S.
Wenn ich sage, dass ich James Francos Regieverschnitt nicht ganz so schlimm finde, wie ich es vor der Sichtung befürchtet hatte – gilt das dann schon als Lob? Falls ja, müsste ich mir vielleicht einen anderen Einstieg für dieses Review überlegen. Aber das würde Zeit kosten, die dieser Film dann doch nicht wert ist, also lasse ich es.

Wie auch immer: FUTURE WORLD kann man nur als Machwerk beschreiben, das irgendwo zwischen einem großen Haufen Nichts und einem großen Haufen Mist angesiedelt ist. Null Story, null inszenatorisches, nahezu null darstellerisches Talent; und all das verbockt von Leuten, die ja doch bereits ein paar Jahre Filmerfahrung auf dem Buckel haben – wow. Die ersten paar Minuten dachte ich ja noch: Hey, das sieht doch eigentlich alles ganz gut aus. Allerdings waren die ersten paar Minuten (sowie einige spätere Einstellungen) auch ausschließlich gefüllt mit Stockbildern, also extern eingekauftem Filmmaterial... der Rest des Films erreicht diese visuelle Qualität nicht ansatzweise.

Dem genau entsprechend, verzichtet nun auch der Rest meines Reviews auf Qualität und fasst nur schnell zusammen: James Franco wirkt bei seinen Auftritten unfassbar selbstverliebt. Milla Jovovich hatte vielleicht irgendwann mal einen guten Tag als Darstellerin, aber sicher nicht während dieses Drehs. Die Sets wirken ausnahmslos billig, einfallslos und öde. Mehrere Einstellungen wiederholen sich im Verlauf des Films x-mal, was das langweilige Geschehen nicht eben unterhaltsamer macht: Die 90 Minuten Laufzeit fühlen sich an wie locker 120. Die Story vermengt Elemente u.a. von BLADE RUNNER, DARK CITY und ganz viel MAD MAX zu einem belanglosen Brei, der so fade schmeckt wie fünfmal aufgekocht. Es gibt nicht mal nennenswert heftige Gewalt- oder Actionszenen, die hier etwas rausreißen könnten. Der Hauptdarsteller ist komplett non-charismatisch und kann seiner Figur nicht eine Sekunde lang die nötige Präsenz verleihen. Snoop Dogg kann (immer noch) nicht schauspielern. Ganz generell erinnert das darstellerische Niveau hier eher an, um einen Bekannten zu zitieren (und ohne Osnabrück nahetreten zu wollen), die Schauspielschule Osnabrück.

Irgendwo habe ich außerdem das Gefühl gewonnen, FUTURE WORLD ist ein Film für (und von?) Männer(n), die ein echtes Problem mit Frauen haben. Denn außer der von Lucy Liu gespielten Figur der heiligen Übermutter und Milla Jovovichs Junkie-Chefin treten hier sämtliche weibliche Figuren als makellos schön und/oder aufreizend gekleidet und/oder vor allem für Sex eingesetzte Körper auf. Die pure Degradierung zur Ware durch harte Wüstenjungs wie unseren Franco-James. Das hatte schon was extrem Schmieriges...

Tja. Wie gesagt, ich hatte aber noch viel Schlimmeres erwartet. Und bin immerhin nicht eingeschlafen. Bloß mit einem Gefühl kompletter innerer Leere aus dem Film gegangen. Hätte ich mich – nicht vorgewarnt – mehr geärgert, dann würde ich wohl 2–2,5 Punkte vergeben. So werden es ganz knappe 3. Aber nein, das ist kein Lob.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

22.09.2018, 02:37



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