The Cellar

Qualen nach Zahlen

von D.S.
Viele Spielfilme hat Brendan Muldowney in den letzten dreißig Jahren nicht gedreht – einer von ihnen lief beim FFF 2013 und hat bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen. LOVE ETERNAL war ein sehr feinfühliges und enorm abseitiges Werk, und etwas in dieser Art hatte ich mir im Stillen ja auch von THE CELLAR erhofft. Leider entpuppt sich dieser jedoch als ziemlich genau so originell und ungewöhnlich, wie es der Titel erwarten lässt.

Wenn man „unbelastet“ an den Film herangeht, wäre das aber vielleicht sogar noch zu verschmerzen, immerhin ist er halbwegs spannungsvoll inszeniert und kann deshalb leidlich unterhalten, falls man auch mal für generischere Kost zu haben ist. Was für mich allerdings gar nicht geht, ist das furchtbar schwache Drehbuch – schwach nicht unbedingt im Hinblick auf die Story und ihre Entfaltung, sondern darauf, wie einzelne Handlungssituationen und vor allem das Verhalten der Figuren konstruiert werden. Da durchleidet etwa die gesamte Familie gerade eine schreckliche Tragödie, das spurlose Verschwinden der Tochter, und alle sind am Boden zerstört … aber im nächsten Moment schon spielen Papa und Sohnemann unbeschwert lachend mit einer Spielzeugdrohne herum. Besonders negativ fiel mir auch das sich in keinem Augenblick nach realer Beziehung anfühlende Verhältnis zwischen Mutter Keira (Elisha Cuthbert aus 24 – kaum wiederzuerkennen sowie nicht sehr überzeugend) und Vater Brian (Eoin Macken, TILL DEATH, noch viel weniger überzeugend) auf. Bei Lichte betrachtet wirken beide Figuren schon jeweils für sich sehr dünn, „geschrieben“, ihr Umgang miteinander aber restlos unglaubwürdig. Ihre Zeichnung mutet fast ein wenig so an, als hätte jemand, der noch nie echte Menschen aus der Nähe erlebt habt, versucht, sie nachzuempfinden … was ganz besonders auch für die Fremdscham induzierenden Szenen gilt, die in der Werbeagentur spielen, die den beiden gehört. Nur dumpfes Buzzword-Bingo: So stellt sich Klein-Hänschen wohl die Gespräche vor, die man dort mit Mitarbeitern und potentiellen Kunden führt.

Lässt man sich davon nicht stören bzw. ist man in dieser Hinsicht nicht so empfindlich, erhält man mit THE CELLAR zumindest einen klassischen Haunted-House-Thriller, der oft die richtigen Register zieht und deshalb auch für eine gewisse Spannung sorgt. Dabei hat die genrerelevante Handlung hier einen größeren Horizont als bloßen Poltergeist-Schabernack und begibt sich in okkultere oder auch von INSIDIOUS & Co. beeinflusste Gefilde. Die Herleitung bzw. Erläuterung der Hintergründe des Geschehens schwankt dann zwar ganz gerne zwischen übertrieben verkopft (Mathematik-Fans könnten sich ggf. freuen) und extra-platt, aber man ist ja schon für jedes Bemühen um frischen Wind dankbar. Das Finale verhebt sich dann leider deutlich am Spagat zwischen Idee und Budget, sprich: die Umsetzung eines in sich interessanten Szenarios ist – vor allem visuell – in keiner Weise adäquat gelungen.

Insgesamt kann ich so nur 5 von 10 Punkten vergeben. Ich wurde zwar insgesamt über die meiste Zeit annehmbar unterhalten, es gab aber deutlich zu viele Störfaktoren. Und Niveau … ist sowieso etwas anderes.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

01.04.2022, 11:28



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