Inexorable

Kenn ich, weiß ich, war ich schon

von D.S.
Das Horrorgenre scheint der einst durch den verstörenden CALVAIRE beeindruckende Belgier Fabrice du Welz endgültig hinter sich gelassen zu haben – auf das behäbige Coming-of-Age-Liebesdrama ADORATION von 2019 folgt nun mit INEXORABLE ein lupenreiner Psychothriller, der recht kompetent inszeniert, aber leider auch frei von größerer Originalität ist. Die Einflüsse oder Vorlagen fürs Sujet sind schier zahllos und reichen von FATAL ATTRACTION bis THE CRUSH: Ein gut situierter Mann in (wenigstens oberflächlich) glücklicher Beziehung auf der einen Seite, eine deutlich jüngere Frau mit düsteren Geheimnissen und/oder einem seelischen Schaden sowie gnadenlosem Jagdinstinkt auf der anderen … und das traute Familienleben, wenn nicht gar das eigene Überleben, gerät in ernste Gefahr.

Gut, hier kommt dann zusätzlich noch ein wenig MISERY ins Spiel: Beim (nur bedingt nachvollziehbar) begehrten Mann handelt es sich um einen einst sehr erfolgreichen Schriftsteller mit Schreibblockade, bei der jungen Frau, die ihm zusetzt, um einen riesigen Fan. Zudem warten einige Details ihrer Geschichte mit durchaus düstereren Facetten auf; auch wirkt die Dame, die in die traute Familienbeschaulichkeit eindringt, interessanter als und nicht ganz so eindimensional gezeichnet wie viele ihrer Vorbilder.

Dem – und den überzeugenden schauspielerischen Leistungen zumindest der beiden Hauptdarsteller:innen – zum Trotz ertappt man sich als Zuschauer aber dennoch regelmäßig beim Gefühl, das alles bereits x-mal gesehen zu haben; abgesehen von einer völlig anlasslos wirkenden Szene zu Beginn des letzten Filmdrittels vielleicht, in welcher die kleine Tochter ihre „Tanzkünste“ vorführt: ein kompletter Stilbruch, dessen Sinn ich ganz ehrlich nicht verstanden habe. So kann INEXORABLE zwar durchaus passabel unterhalten. Lange in Erinnerung bleiben wird er wohl aber nicht. Dafür verlässt er die ausgetretenen Pfade zu selten. Und dafür schocken jene Story-Momente, die ganz offensichtlich schocken sollen, klar nicht stark genug. An einem regnerischen oder verschneiten Nachmittag gut anzuschauen. Mehr als 5,5 Punkte gibt’s dafür allerdings nicht.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

02.04.2022, 03:38



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