crazy

Fresh

Nicht ganz taufrisch

von D.S.
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Die von zahllosen flauen Online-Dating-Erfahrungen frustrierte Noa aus der Single-Hochburg Portland lernt im Supermarkt zufällig den so charmanten wie attraktiven Steve kennen, der ihren Sinn für Off-Humor teilt, erfolgreicher Chirurg und auch sonst eine gute Partie ist – kein Wunder, dass sie den Mahnungen ihrer besten Freundin Mollie zum Trotz alle Vorsicht fahren lässt und mit ihm zum spontanen Kurzurlaub aufbricht, obwohl sie ihn erst vor ein paar Tagen kennengelernt hat. Leider führt sie der Trip aber nicht wie geplant ins idyllische Cottage Grove, sondern stattdessen in eine Situation, in der es nicht mehr um „Hot or Not“ geht, sondern um Leben und Tod…

FRESH erzählt eine hübsch makabre Geschichte, die insbesondere dank des überaus kompetenten, natürlich wirkenden Schauspiels der beiden Hauptdarsteller:innen gut unterhält – wenn sie auch nicht gerade außergewöhnlich frisch (pardon the pun) oder für Genre-Feinschmecker gemacht ist. Unter die Haut geht das grausliche Geschehen nicht, dafür ist die Stimmung des Films mit viel zu viel Augenzwinkern versehen und der Look zu poliert. Zu herzhaftem Lachen wird man aber auch nur selten verleitet: Dafür ist die Inszenierung zu zurückhaltend angelegt, mehr auf ein hintergründiges böses Schmunzeln als auf ein wildes Schenkelklopfen aus.

Bleibt zuvorderst also das Groteske der Situation, in der Noa sich wiederfindet; das Makabre, Tabuverletzende des Sujets. Das ist ohne Zweifel ausgeprägt vorhanden – für halbwegs erfahrene Horrorfans allerdings auch nichts Neues oder Überwältigendes mehr. So wird man das Gefühl nicht recht los, dass der Film eher für ein Mainstreampublikum gemacht wurde, das nur selten mit wirklich „kranken“ Filmen konfrontiert wird, wofür auch seine Produktion durch Hulu bzw. seine Platzierung bei Star/Disney+ spricht.

Nicht falsch verstehen, Spaß macht FRESH allemal, in irgendeiner Form herausragend oder sonderlich ungewöhnlich ist er jedoch nicht. Zudem fehlt es ihm im Mittelteil deutlich an Tempo, er ist unnötig lang geraten und sein Finale wirkt nur halbherzig ausgespielt. Im Kreise Gleichgesinnter sicher gute Unterhaltung – als Abschlussfilm eines Genrefestivals jedoch nicht abseitig oder konsequent genug. Ich hatte mir mehr erhofft, und den anderen „Dating gone wrong“-Film BAD MATCH vom FFF 2017 fand ich origineller und amüsanter. 6,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

04.04.2022, 18:19



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