Medusa Deluxe

Einmal ohne Schneiden bitte

von Herr_Kees
Im Jahr 2001 gab es mal die nette, harmlose britische Komödie BLOW DRY um einen Frisurenwettbewerb mit Alan Rickman. Wer seine Zeit sinnvoller investieren will, schaut sich besser den an. Oder wäscht sich mal wieder die Haare.

Der Debutfilm von Thomas Hardiman ist kein „Murder Mystery“ im eigentlichen Sinne, die wirkliche Aufklärung des Mordes scheint für die Beteiligten weniger wichtig, als die perfekt sitzende Frisur. Warum der Film im 4:3-Format und in einer einzigen Einstellung (mit einigen mehr oder weniger gut versteckten Schnitten) präsentiert wird, ist dann auch ein größeres Mysterium, als wer denn nun den Friseur skalpiert hat.

MEDUSA DELUXE fühlt sich an wie ein abgefilmtes Theaterstück, bei dem die Dialoge größtenteils improvisiert wurden – weshalb man den Film dringend mit einem optischen Gimmick aufpimpen musste. Der Vergleich ist natürlich unfair, aber man kommt nicht unhin, an den anderen Onetake-Film zu denken, der in einem Theater spielt, doch Alejandro G. Iñárritus BIRDMAN hatte eben auch eine tolle Story und Themen, die weit über Friseursmalltalk hinausgingen. Und er verband seine Geschichten und Charaktere mit seiner organisch schwebenden Kamera auf zwingende, fast hypnotische Weise.

Hier muss immer eine Figur den Raum verlassen, damit wir als Zusehende einen Locationwechsel vornehmen können, das wirkt höchst konstruiert und wir müssen minutenlang mit einzelnen Figuren durch Gänge laufen, begleitet von enervierenden Elektroniksounds.

Das Beste am Film ist die völlig unmotivierte Tanzeinlage des Ensembles vor dem Abspann.

MEDUSA läuft auf dem Filmfest übrigens im englischen Original mit englischen Untertiteln – nicht unbedingt erforderlich, aber ein netter Service.
Herr_Kees
sah diesen Film im EM, Stuttgart

16.09.2022, 14:10



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