Huesera

Innerer Babyboom

von Leimbacher-Mario
„Huesera“ hält sich wie viele spanischsprachige Horrorbeiträge und Grusler der letzten Jahre durchaus an seine teureren, bekannteren und erfolgreicheren Hollywoodvorbilder. Bis „Conjuring“ und Co. ist es von der iberischen Halbinsel oder gar aus Südamerika meist nicht weit, das haben in den letzten Jahren einigermaßen feine Schocker wie „Veronica“, „Malasana 32“ oder „Terrified“ immer wieder routiniert bewiesen. Spanische Mythen, Sagen und Schauergeschichten wie La Llorona wurden in L.A. ebenfalls etabliert und dankend angenommen, verwurstet, verbreitet. Nun schlägt eben „Huesera“ wieder in diese Kerbe - dieses Mal mehr in Richtung Bodyhorror und Schwangerschaftsangst, (fehlende) Muttergefühle und Mitternachtspanik, Depressionen und falsch gewählten Lebenswegen. Und wie meist außerhalb von Hollywood mit deutlich mehr Kante, Kontur und Charakter als die doch etwas weichgespülteren, schematischeren Cousins und Cousinen des Schreckens aus der Traumfabrik … Richtig toll ist aber dieses leicht religiöse Regiedebüt mit Exotikbonus leider nicht.

Als neuer Filmemacherin nimmt man sich natürlich Themen, die einen im eigenen Leben berührt und beschäftigt haben. In dem Fall von „Huesera“ und Regisseurin Michelle Garza Cervera sind das unbestritten Schwangerschaftsängste, Familienprobleme und mexikanischer Okkultismus. Und der Ansatz sich an Bekanntem, Familiärem und Intimem abzuarbeiten, ist ja auch ohne Frage logisch. Dennoch zeigt „Huesera“ dann doch erstaunlich klar, warum das nicht unbedingt reichen muss, geschweige denn sich dadurch automatisch von der ähnlichen Masse abheben kann. Egal ob auf Englisch oder Spanisch. „Huesera“ ist schon ein kleiner Alptraum, für neue oder angehende Eltern, wenn auch eher weiblich fokussiert. Wer nicht gerne Knochen knacken hört, hat es hier ebenfalls schwer. Dazu ist der Mythos der „Bone Woman“, auf dem das Ganze basiert, ohne Frage gruselig durch und durch. Die Hauptdarstellerin gibt und zeigt alles, sehr aufopferungsvoll und mutig. Das Finale kommt dann auch endlich mal zum Punkt und zur Kulmination. Doch im Endeffekt hat man das alles im Horrorbereich eben schon dutzende Male gesehen. Rund um den Globus, die Themen sind universell, in besser und schlechter, in härter und emotionaler, in teurer und rauer. Sicher ein sehr persönliches Regiedebüt, das sich aber trotz allem aus der Ursuppe, der er entstammt, nie freischwimmen kann. Punkige Einschübe hin oder her. Es fehlt dann doch das gewisse Etwas.

Fazit: Mutter- und Körperhorror aus Mexiko, ohne allzu viele Pointen. Nicht viel anders als La Llorona - nur eben mit elterlichen Ängsten und Herausforderungen. Solide Handwerksarbeit. Aber im Grunde reicht konsequentes Knochenknacken und bitteres Babyignorieren nicht für mehr.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

18.09.2022, 01:59



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