Next Exit

On the Road to Nowhere

von D.S.
Harry und Sally auf dem Roadtrip des Todes: Die Thirtysomethings Rose und Teddy können das Weiterleben aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht mehr ertragen, einen Selbstmord aber auch nicht umsetzen, und machen sich deshalb, unfreiwillig einen Mietwagen teilend, auf den Weg von New York nach San Francisco, wo im „Life Beyond“-Institut der wissenschaftlich begleitete Schritt ins Jenseits auf sie wartet. Zumindest vorübergehend ist Sterbehilfe (zu Forschungszwecken) nämlich legal, da die – in der atmosphärischen Eröffnungssequenz des Films – bewiesene Existenz von Geistern ein „spiritual Afterlife“ zu einer validen, breit akzeptierten Alternative für die Menschheit gemacht hat.

Zwar ist vom Start weg eigentlich klar, wie sich das Verhältnis der beiden zueinander, die sich zunächst alles andere als grün sind, ändern wird. Und ganz genauso, dass sie das Leben selbst und seinen Wert vor dem Beginn des Abspanns (auf den übrigens noch ein lustiger Dialog folgt) aus einer frischen Perspektive betrachten werden. Diese Vorhersehbarkeit schadet dem Filmerlebnis aber nur geringfügig, auch wenn ich persönlich mir ein konsequenteres, weniger kitschiges Ende gewünscht hätte. Im Zentrum steht nämlich weniger die knappe Handlung in sich: der Weg ist das Ziel, wie es bei Roadtrips so häufig der Fall ist. Und der Weg besteht hier im Wesentlichen als teils sehr komischen, teils ernüchternden, teils tieftraurigen, teils erhellenden Unterhaltungen unserer Hauptfiguren, über die wir Einblicke in ihr bisheriges Leben und die Gründe für ihre Sterbenswünsche erhalten – und über die wir die beiden so unglaublich unglücklichen, vor allem aber sich unglaublich echt und authentisch anfühlenden Personen mit jedem zurückgelegten Kilometer tiefer und tiefer ins Herz schließen.

Etwas weniger realistisch wirken einige der zahlreichen Nebenfiguren: ganz unterschiedliche Gestalten, denen Rose und Teddy unterwegs begegnen und die dem Geschehen Farbe verleihen. Auch ihre Geschichten drehen sich jedoch in der einen oder anderen Form um jene Erfahrungen, die uns prägen und dafür sorgen können, dass wir unsere Existenz auf dieser Welt hinterfragen, einordnen, neu bewerten.

Als eine ebensolche Erfahrung lässt sich nahezu auch NEXT EXIT selbst beschreiben. Mag er durch sein Finale und dessen Konsequenzen zwar etwas an existenzieller Wucht verlieren, führt er doch fast unumgänglich dazu, dass man sich solchen philosophischen Fragestellungen bzw. Erörterungen widmet. Das gelingt nicht allzu vielen Filmen. Und nur wenige davon verfügen über Protagonisten, mit denen man so stark mitfühlen kann wie mit diesen beiden. Ein bittersüß elegisches kleines Sympathiewerk, das nur stellenweise noch etwas handfester hätte werden dürfen: gute 7 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

24.09.2022, 02:49



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