Skinamarink

Die letzte Einstellung aus "Blair Witch" als Abend füllender Langfilm

von Alexander
Skinamarink mag die perfekte Langeweile für die auf kurze Schnitte und generische „Blockbuster“ programmierte Kommerzfilmfraktion sein. Fans von durch Labyrinthe Rennenden oder vor riesigen Robotern Weglaufenden darf man hier ohne schlechtes Gewissen abraten.

Wer auf das FFF geht, sollte i. d. Regel anders programmiert sein. Und wer den „besonderen Film“ sucht, dürfte hier bestens bedient werden.

Skinamarink ist grandios anders, ist neu und herausfordernd. Die Kamera zwar auf dem Sichtfeld kleiner Kinder arbeiten zu lassen, diese dann aber so gut wie nie selbst in Szene zu setzen ist ketzerisch. Wie eine juckende Stelle, die der Cineast niemals kratzen kann.

Zuschauer, die als kleines Kind Angst vor dem „Monster“ unter dem Bett hatten, nicht ohne Licht einschlafen wollten oder die halb offen stehende Tür im Schatten des Zimmers bereits als Bedrohung wahrgenommen haben, werden hier auf ihre tiefsten Kindheitsängste reduziert und sich schaudernd im Kinosessel zusammenziehen. Manch andere dürften zwischenzeitlich öfters auf ihre Uhr geschaut haben...

Natürlich verlangt der Film von uns einiges ab, in erster Linie Geduld. Die Entdeckung der Langsamkeit bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Das wird so weit auf die Spitze getrieben, dass man sich an minutenlange Makroeinstellungen von Heizkörpern in David Lynchs Frühwerk „Eraserhead“ erinnert fühlt.

Wer damit damals schon klargekommen ist, wird hier ein orgastisches Déjà-vu erleben und in einzelnen Szenen vollkommen aufgehen, nieder knien und dem Regisseur für seine Kunst danken.

Einzelne Szenen erzeugten bei mir die totale Gänsehaut. Insgesamt ist der Film allerdings gedehnt wie ein Frühnebel an einem sonntäglichen Oktobermorgen. Man versucht ihn zu durchdringen, möchte ihn mögen und verstehen, am Ende bleibt aber doch ein recht blasser Nachgeschmack. Unendlich lang wirkende Bilder von dunklen Fluren und Türrahmen vermögen eben nicht unbedingt eine Gänsehaut zu erzeugen, auch wenn es dem Film an der ein oder anderen Stelle gelingt.

Neben der extrem „anderen“ Optik hebt uns Skinamarink dann aber auch mit sparsam gesetzten akustischen und optischen kleinen Fetzen und Sätzen auf eine Meta-Ebene, die sehr viel Spielraum für Interpretation setzt. Wer auf solche Mysterygrusler steht, hat hier Pflichtprogramm. Dennoch erwarte ich mit diesem Film den Spalter des Filmfests.

6-5/10
Alexander

29.04.2023, 19:01



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