Night of the Hunted

Rollin’ without Rollin

von D.S.
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Bei Franck Khalfouns NIGHT OF THE HUNTED handelt es sich nicht etwa um das Remake des (international) gleichnamigen Jean-Rollin-Werks von 1980, sondern um das eines mir unbekannten spanischen Indie-Films namens LA NOCHE DEL RATON von 2015. Das ist in mancher Hinsicht schade: Zum einen hätte ich gerne gesehen, wie Khalfoun in Kooperation mit Produzent Alexandre Aja die wirre Rollin-Story interpretiert hätte. Zum anderen hätten wir bei einem solchen Remake zumindest definitiv irgendeine Art von Story geboten bekommen. Das ist bei diesem Film leider nicht der Fall, oder jedenfalls nur höchst eingeschränkt.

Mit „minimalistisch“ lässt sich die Geschichte dieser äußerst geschwätzigen Variante von Kitamuras DOWNRANGE kaum adäquat beschreiben: Hier gibt es über eine Laufzeit von 95 Minuten derart wenig Bewegung in der Story zu vermelden, dass einem irgendwann schier die Füße einzuschlafen drohen. Dabei ist das Nicht-Geschehen ja anfangs immerhin durchaus spannungsvoll inszeniert, man fiebert mit der Protagonistin mit und wartet gebannt darauf, welchen Ausgang das Ganze nehmen wird – und auch, welche Hintergründe denn hinter den rabiaten Attacken eines gesichts- und namenlosen Scharfschützen auf die Pharma-Marketingmanagerin Alice stecken mögen, die in der Mitte der Nacht in einer einsamen Tankstelle in seinem Geschosshagel gefangen wird. Das verliert sich aber bald im Immergleichen, Bedeutungslosen.

Eine höchst präsente Plakatwand mit der ominösen Aufschrift „GODISNOWHERE“, minutenlanges unwidersprochenes, sogar gänzlich unkommentiertes Gebrabbel eines pseudo-reflektierten Rechtsaußen (ein beliebiges Beispiel: „Ihr pusht den Bill-Gates- und Mikrochip-Schwachsinn, damit ihr alle Impfgegner in die Schublade der Verrückten stecken könnt!“), der allerdings in seinem Handeln ganz und gar nicht mit Ambiguität, sondern eindeutig als skrupelloser, verkommener Killer dargestellt wird – Franck Khalfoun sorgt für zahlreiche Fragezeichen und macht dabei überdeutlich, dass er etwas aussagen möchte. Allerdings macht er überhaupt nicht deutlich, was. Mal abgesehen davon, dass die vor logischen Schwächen nur so strotzende Erzählung ihre Ausgangssituation im Verlauf der Handlung kaum variiert und nirgendwo hinzuführen scheint, nervt das prätentiöse, pseudo-inhaltsschwangere Gehabe ab einem gewissen Punkt enorm, denn dieser überaus simpel gestrickte Film bietet ihm in seinem Geschehen und dessen Auflösung absolut keine Entsprechung. Die Intention des Streifens bleibt damit bis zuletzt völlig unklar.

Zwar ist NIGHT OF THE HUNTED spannender und auch höherwertiger umgesetzt als DOWNRANGE, am Ende gelingt es ihm aber tatsächlich, inhaltlich noch weniger zu bieten als dieser. Das ist eine Leistung. Was die Diffusität der Motive des Killers angeht, fühlte ich mich zeitweise zwar ein Stück weit an Spielbergs DUEL erinnert. Der hatte jedoch enorme inszenatorische Klasse und vor allem auch viel Tempo zu bieten. NIGHT OF THE HUNTED leider nicht. Dem intensiven, adrenalingeladenen ersten Drittel und einiger netter Gewaltspitzen wegen: 5,5 von 10 Punkten. Insgesamt nicht wirklich eine Empfehlung.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

14.09.2023, 23:36



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