crazy

New Gods: Yang Jian

Showboy Chipop

von Leimbacher-Mario
China ist schon länger im Aufwind. Von hochdekorierten Videospielen wie „Kena: Bridge of Spirits“ bis zu Animationsspektakeln wie „The Monkey King“. Die animierte Kunst des riesigen Landes findet auch international immer mehr Anklang und Beachtung, hat ihren ganz eigenen Vibe, selbst wenn die Traumfabrik oft unübersehbar als Inspiration dient. „New Gods: Yang Jian“ ist da keine Ausnahme, vom Spider-Verse über „Dr. Strange“ bis „Kubo“ kommen einem doch einige Motive bekannt vor. Wer viel zockt, für den gibt's da noch viel mehr Déjà-vus. Aber dennoch sind Hintergründe, Kultur und Mythen natürlich unnachahmlich chinesisch. Es geht um … ja, das ist bei diesem bunten und überlebensgroßen Kriegerkawumm gar nicht so einfach zu sagen. Um einen legendären Helden mit drittem Auge in der Stirn, der mal einen Berg gespalten hat und damit eigentlich laut Legende Friede über die Welt bringen sollte. Doch dem scheint nicht so gekommen und nun düst er mit seiner Crew in einem futuristischen Flugschiff herum und nimmt Aufträge an. Und der neueste führt die Truppe mit Superkräften einem kleinen Ganoven hinterher, dessen Schicksal mit dem unseres Helden eng zusammenhängt… Oder so ähnlich.

Und das alles in Schlappen…

Chinesische Aninationsfilme scheinen sich u. a. über Überfluss zu definieren. Anders kann ich meine bisherigen Erfahrungen nicht zusammenfassen. „New Gods: Yang Jian“ ist ein Paradebeispiel dafür. Von allem fast schon etwas zu viel, Leerlauf scheint verpönt, ruhige Momente sind rar gesät und alles ist oft im Overkillmodus, was Eindrücke, Explosionen und Ideen betrifft. Schauplatzwechsel, fliegende Städte und Fäuste, Flammen und Feuervögel, Casinoplaneten und Tier-Mensch-Hybriden. Von allem viel und oft gefühlt auch zu viel. Erst recht für unsere westlichen Empfindlichkeiten und Ahnungslosigkeit, was chinesische Mythen und Lore betrifft. Da verliert man schnell den Überblick - aber auch die Lust und das beeindruckte, kindliche Grinsen? Nein, ich zumindest nicht. Ich hab nun sogar Bock mir weitere Abenteuer der Truppe oder allgemein aus dieser Fantasy-Heldenwelt anzugucken und vielleicht etwas mehr zu verstehen und einzutauchen. Bei „New Gods: Yang Jian“ reicht mir aber erstmal das Fühlen und Staunen. Über die Häfen und Helden, über die Wesen und Welten, über die Kreaturen und Kämpfe. Das kriegt in den besten Momenten Hollywood nicht dermaßen kreativ, detailliert, flott und überbordend hin. Gerade das erste Drittel hat dermaßen Power und Schwung, dass man es kaum erwarten kann, was da noch kommen mag. Das überschlägt sich dann ohne geschichtliche Kenntnisse wie gesagt überfordernd und extrem. Ist aber immer noch eine leuchtende Materialschlacht vom Feinsten. Gerade Videospielern wird vieles von „Wo Long“ bis „Final Fantasy (XVI)“ bekannt vorkommen. Leuchtende Geisterkaijus, schneebedeckt-zerstörte Dörfer, „Schnellreisepunkte“. Ganz neue Dinge, Wow-Momente, Muster zu entwerfen und auszudenken, muss das Reich der Mitte noch etwas lernen und pushen, von sich verlangen. Aber sie sind auf einem guten Weg und verschmelzen bis dahin westlichen Entertainmentwahnsinn mit ihren eigenen Legenden. Vor allem einen Weg, der audiovisuell Maßstäbe setzen könnte.

Fazit: Enorm aufwändiger, hyperaktiver und lauter China-Fantasy-Animations-Historien-Superhelden-Blockbuster. Man weiß zwar nicht immer wer, was und warum hier gerade genau passiert - aber es ist eben epic as fuck!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

27.09.2023, 01:51



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