Dream Scenario

Ich wusste es schon immer… Nic Cage ist mein Traummann!

von Leimbacher-Mario
Mit „Sick of Myself“ verteilte Kristoffer Borgli vor zwei Jahren beeindruckende Visitenkarten. Und mit einem solch scharfen Genregeheimtipp aus Europa öffnet man sich natürlich heutzutage auch schon einige Törchen nach Hollywood, wodurch der begabte junge Mann nun mit Nic Cage und deutlich aufwändiger „Dream Scenario“ inszenieren durfte, dessen Grundidee man nur beneiden und als genial bezeichnen kann: Cage spielt einen unauffälligen bis unattraktiven Professor, der plötzlich rund um den Globus in den Träumen der Menschen auftaucht. Ohne Grund und meist nur als tatenloser Zuschauer, egal wie chaotische, bizarre oder gefährliche Züge der Traum der jeweiligen Person annimmt. Doch dieser plötzliche, weltweite Ruhm bringt nicht nur Gutes mit sich, wie er und alle, die ihm lieb sind, schnell lernen müssen…

Schuld & Sühne

„Dream Scenario“ könnte kaum passender zu unserer Zeit sein. Zwischen Famegeilheit und Reaktionismus, zwischen Angststörungen und Memes, zwischen weltweiten Phänomenen und Mysterien. Von himmelhochjauchzend bis tief betrübt. Cage sieht eher aus wie Giamatti, spielt bockstark und mal mit richtig Understatement. Es gibt anfangs viel intelligenten Witz und Situationskomik, dann wird’s jedoch immer tragischer. Das Lachen bleibt einem zwar nicht plötzlich im Hals stecken, ein komplettes Unschuldslamm ist Cages Figur nicht, dennoch überwiegen am Ende Melancholie und Mitgefühl. Das Kopfschütteln kommt hier schleichend. Ein paar mehr Einblicke hätte ich mir vielleicht noch in die verschiedenen Träume gewünscht. Da waren sogar einige Gruseleinschübe dabei, die ich richtig stark finde, wodurch Borgli sich in die Reihe der Regisseure einreiht, von denen ich mir mehr in Sachen purer Horror wünsche. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Ansonsten ist „Dream Scenario“ von seiner simpel-beneidenswerten Prämisse über seine einzelnen Traumvignetten, die wunderbar mit der Realität verschmelzen, bis hin zu seiner realistischen, emphatischen „Auflösung“ ein Filmerlebnis, das zum Diskutieren wie Genießen einlädt. Ehrlicher und geerdeter kommt Satire selten. Und bissig genug ist er als Kommentar ebenso.

Einmal Weltruhm und (kein) zurück

Fazit: Genauso lustig wie tragisch, genauso warnend wie aktuell, genauso ambivalent wie auf den Punkt - „Dream Scenario“ ist der nächste Schritt für Borgli. Endlich wieder Cage in ernstzunehmen. Ein traumhafter Angriff auf Zeitgeist, Starruhm, Unterbewusstsein, auf die Radikalität, Schwankungen, Extremitäten unserer Gesellschaft. Beinhaltet viel und wirkt dennoch keinen Moment überfrachtet oder gehetzt.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

05.02.2024, 19:01



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