Concrete Utopia

Jeder ist sich selbst der Nächste

von Leimbacher-Mario
„Concrete Utopia“ dreht sich vom spektakulären Katastrophenkino hin zu den inneren Konflikten, Ängsten, Unsicherheiten von Menschen(gruppen) in Extremsituationen. In dem überlangen Erdbebendrama (immerhin die diesjährige Auslandsoscareinreichung Koreas!) folgen wir den Bewohnern des letzten stehenden Apartmentgebäudes weit und breit, nachdem ein gigantisches Erdbeben die Stadt, das Land, die Welt (?) platt gemacht bzw. auf den Kopf gestellt hat. Und nun müssen die Bewohner entscheiden, was sie mit den immer mehr werdenden Überlebenden von außen machen sollen, wie man die Eiseskälte überlebt und wie man selbst ohne Hilfe in Sicht weitermachen kann, seine Menschlichkeit bewahrt…

Eigentum gewinnt

Klassische „Was würdest du tun?“-Situation. Zwischen Helfen und Überlebensdrang, zwischen Nächstenliebe und Egoismus, zwischen Miss- und Vertrauen, zwischen Einklappen und Über-sich-hinauswachsen. Bei uns Menschen sind die Grenzen zwischen Totschlag und Brüderlichkeit ja immer sehr dicht beisammen. Auch wenn mir mittlerweile die hoffnungsvolleren Varianten wie z.B. im neuen „Die Schneegesellschaft“ mehr zusagen. Man muss nicht immer zu düster malen. Aber ein solcher asozialer Kannibalismus liegt - gerade in Krisen - natürlich nah. Gerade, wenn man die aktuelle Weltlage vereinfacht als Metapher nimmt. Dennoch sind wir Menschen ja nicht nur böse, egoistisch und gewalttätig. Aber auch diese positive Seite wird in „Concrete Utopia“ beleuchtet. Hat man bei 130 Minuten Laufzeit ja auch genug Zeit für. Außerdem gibt’s erstaunlich wenig dick aufgetragenen Kitsch. Zumindest für koreanische Verhältnisse. Die Darsteller spielen leidenschaftlich. Insgesamt fehlen mir (besonders über die lange Laufzeit) dann aber doch irgendwie die Einfälle, Gefahren, Bedrohungen. Besonders von außen. Der eine oder andere Angriff oder Anschlag hätte es schon noch sein können. Etwas zu friedlich und harmlos, das Ganze. Auf sehr hohem Niveau. Das Hauptaugenmerk wollte man aber wie gesagt wohl woanders, interner, persönlicher und intimer legen. Und bei mir hat das geklappt.

Fazit: Koreanisch-kraftvolles Katastrophenkino. Mit Fokus auf die egoistische und ängstliche „Katastrophe Mensch“. Denn egal, wie apokalyptisch die Erde aufreißt - der eigentliche Untergang geschieht hier (wie so oft) innerhalb unserer Spezies, Charaktere, Gemeinschaft, Seelen…
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

22.04.2024, 02:33



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