War was?von D.S. | Permalink |
Hypes sind immer eine interessante Sache, berechtigt sind sie aber allzu oft nicht. STRANGE DARLING etwa hat seinen nicht wirklich verdient, denn außer einer besonders offensiv zur Schau getragenen Pseudo-Coolness hat er eigentlich nichts weiter Außergewöhnliches zu bieten. Eine non-lineare Erzählweise und ein alles auf den Kopf stellender Twist sind ja nun spätestens seit den 90ern nichts Neues mehr. Deshalb erschließt sich mir auch wieder einmal nicht so ganz, warum ausgerechnet hier nun Hinz und Kunz und jede Feld-Wald-und-Wiesen-Postille meinen, das Ding müsse man aber ganz unbedingt gesehen haben. Was nicht heißen soll, dass es sich um einen schlechten Film handelt. Unsere beiden Hauptdarsteller (Kyle Gallner, DINNER IN AMERICA, als „The Demon“ und Willa Fitzgerald, THE FALL OF THE HOUSE OF USHER, als „The Lady“) sind mit viel Spielfreude dabei, ihre Figuren haben ein paar ungewöhnliche, überaus denkwürdige Eigenarten, die Action ist reich- und bluthaltig genug. Die verschachtelte Narrationsstruktur, die zwischen sechs Kapiteln vor und zurück springt, hält das Interesse hoch und den Zuschauer dadurch bei der Stange. Wenn man genauer hinschaut, entpuppt sie sich aber auch als nahezu notwendig, um hier für echte Unterhaltung zu sorgen. Chronologisch erzählt, würde die Story, die sich um die Jagd eines Serienkillers nach seinem letzten Opfer dreht, keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Ohhhh ja, es gibt den oben bereits erwähnten Twist. Den sieht aber nun wirklich jeder sehr bald kommen, der mehr als einen Film mit einer „überraschenden Wendung“ kennt. Und seine inhaltlichen Implikationen sind vielleicht auch nicht gerade die angebrachtesten, wenn man sich mal anschaut, wie sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der Realität überwiegend ausgestaltet – aber das ist ein anderes Thema. Von den mehr oder weniger schräg angelegten Charakteren und ein paar wenigen fein fiesen Gewaltszenen abgesehen, hat die Handlung in der „richtigen“ Reihenfolge erstaunlich wenig Gehaltvolles aufzuweisen. Tatsächlich kommt sie nicht mal um einige Längen herum, die vor allem im Bereich „Bett-Geschichten“ zu verorten sind. Aber gut, der Film hat nun mal seine wild durcheinander wirbelnde Erzählweise. Er hat schrill überzeichnete Figuren und auch sonst eine Menge Lautstärke und Wumms am Start. Und dadurch sorgt er für angenehmen Zeitvertreib, wenn man nicht zu viel über die Details nachdenkt. Grund für einen Hype ist das aber noch lange nicht. 6,5 Punkte. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 24.09.2024, 03:53 |
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