Welcome to the Dick Miller show, you’ll die to be there….von roother82 | Permalink |
Mitte der 50er Jahre erlebte die Beatnik-Bewegung ihren Höhepunkt. Die Ablehnung der Konformität moderner Popkultur und Konsumkritik traf auf künstlerischen Selbstreferenzialismus. So zumindest die Definition von Roger Corman, der kein gutes Haar an dieser Bewegung lässt. Dies wird schon zu Beginn von A BUCKET OF BLOOD überdeutlich: von schrägen Jazz-Tönen untermalt, zitiert ein bärtiger Mit-30er ein selbstgeschriebenes Gedicht. Abgehoben und kaum nachzuvollziehen ist das Rezitierte und doch nicken die Beatniks in dem Café verständnisvoll. „You have to be aware of it?“, sagt er später in der Gruppe. „Aware of what?“ „Are you stupid? Just be aware!“. Und inmitten dieser sich selbst feiernden, expressionistisch anmutenden Gemeinschaft, stolpert der einfältige Busfahrer Walter (köstlich verkörpert durch Dick Miller in einer seiner ersten Hauptrollen). Er ist fasziniert von der Gemeinschaft und möchte Teil davon sein. Doch Ablehnung ist alles, was ihm entgegengebracht wird. Als er versehentlich seine Katze, beim Versuch sie aus der Zwischenwand seiner Wohnung zu befreien, absticht, modelliert er um den Kadaver mitsamt Messer eine Lehmschicht. Dieses Kunstwerk wird im Beatnik-Café gefeiert. Mehr muss her…. Corman inszenierte mit A BUCKET OF BLOOD eine bitterböse und extrem lustige Satire über das selbstreferentielle Abfeiern der eigenen Genialität, wie er sie in der damaligen Kunstszene gesehen haben will. Walter ist in seinem Drang nach Anerkennung in einer Erwartungshaltung gefangen, der er nicht entsprechen kann. Er wird nicht akzeptiert, wie er ist, sondern an seinen Werken gemessen. Die Wertigkeit des Einzelnen misst sich an seinem künstlerischen Output. Dies alles zwingt den armen Mann in eine Eskalationsspirale, in der er vom liebenswerten Nerd zum eiskalten Mörder wird. All dies steht und fällt mit seinem Hauptdarsteller Dick Miller. Das leicht verschroben wirkende Grinsen, die ungelenke Art, die dazu führt, dass man ihn trotz der widerlichen Taten stets ins Herz einschließt, liefern das Kernstück des Filmes ab. A BUCKET OF BLOOD ist eine liebenswerte, kleine Genre-Perle, die es schafft zugleich witzig, grausam und lehrreich zu sein. | |
12.10.2024, 13:17 | |
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