Reviewvon roother82 | Permalink |
Vincent Ward dürften den meisten durch den visuell herausragenden HINTER DEM HORIZONT mit Robin Williams ein Begriff sein. Alien-Fans kennen ihn vielleicht auch von seinem extrem ambitionierten Script zu ALIEN 3, in dem Ripley auf einem mittelalterlich angehauchten Mönchsplaneten, auf dem alles aus Holz ist, gegen die Xenomorphen kämpft. Wards erstaunliches Gespür für eindrucksvolle Bilder hat er zuvor mit DER NAVIGATOR unter Beweis gestellt. In grobkörnigen Schwarz-Weiß entführt uns Ward ins tiefste Mittelalter. Es ist 1348 und der schwarze Tod greift ums sich. Die Pest ist zu einer unbesiegbaren Gefahr für alle Menschen geworden und der Tod lauert an jeder Ecke. Dieses hochkontrastierte S/W-Bild gibt uns ein Gefühl des Verlorenseins. Verloren, da das Weiß des Schnees auf dem Boden nahtlos in den Himmel übergeht. Verloren, weil Ward mit der Kamera ganz nah an seine Protagonisten ran geht und uns den Blick für den Zusammenhang völlig verwehrt. Der Beginn von DER NAVIGATOR ist persönlich, nah und völlig irritierend. Umso mehr als der junge Griffin von Visionen geplagt wird, die der Gemeinschaft den Auszug aus dem vom Pest bedrohten Dorf befehlen. Diese Visionen sind nun in Farbe und teils mit verfremdenden Farbfiltern überlagert. Mit der Reise ins Innere der Erde verändert Ward auch die Bildkomposition, denn unsere Gemeinschaft kommt nicht an einem fremden Ort raus, sondern in einer fremden Zeit, der Neuzeit. Knallige Farben ersetzen das grobkörnige S/W. Gefangen zwischen Moderne und Tradition versuchen die Zeitreisenden in der Neuen Welt Fuß zu fassen. Ward verzichtet nahezu komplett auf die Irritation, welche typisch für Zeitreisefilme ist. Die Menschen aus dem Mittelalter akzeptieren die Gesetzmäßigkeiten der Neuzeit und sinnieren nicht über das Wundersame, sondern machen sich deren Gesetzmäßigkeiten zu Nutze. Im Zentrum steht daher nicht die Anpassung, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass man in eine Welt gekommen ist, die nicht minder gefährlich zu sein scheint, als die Welt, vor der man geflohen ist. Vincent Ward erschuf mit DER NAVIGATOR eine visuell eindrucksvolle Zeitreisegeschichte, die sich wohltuend von den anderen Vertretern dieser Thematik abhebt und viele Anknüpfungspunkte liefert…. | |
12.10.2024, 13:20 | |
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