Dog of God

Schmutzig’s Blechle

von D.S.
Permalink
Nachdem 2025 FLOW von der Jury als bester internationaler Film nominiert worden war, schickt Lettland wieder einen Animationsfilm ins Oscar-Rennen. Es steht jedoch zu bezweifeln, dass DOG OF GOD ebenso erfolgreich sein wird, denn er ist eindeutig zu schmutzig, um von der Academy ernsthaft für eine Auszeichnung in Betracht gezogen zu werden. Nun klingt „schmutzig“ ja erst mal gut, was will man als FFF-Gänger:in auch mit einem geleckten Mainstream-Film anfangen. Wenn „schmutzig“ sich jedoch vor allem darauf beläuft, mit maximal möglicher Obszönität zu prunken … verliert das schnell seinen Reiz.

DOG OF GOD erzählt eine zwar grundsätzlich nicht uninteressante Geschichte über die manipulative Wirkung von Religion (bzw. ihren Statthaltern auf Erden), über Macht und Korruption, über die Meuten-Mentalität großer Teile der Menschheit – und deren uneingeschränkte Bereitschaft, als Sündenböcke auserkorene Menschen auf Geheiß von Oben aus der Gemeinschaft auszuschließen und Verfolgung und Tod anheimzugeben. Dabei fokussiert er sich in seiner Erzählung aber dermaßen auf Körperflüssigkeiten jeder Art und die Zurschaustellung von allerlei Ekelhaftigkeiten, dass man den Eindruck gewinnen muss, hierum ginge es ihm eigentlich sehr viel mehr als um ebenjene (moralisch ja durchaus sehr wertvolle und leider derzeit wieder mal besonders aktuelle) Geschichte. Mitunter wirkt das glatt ein wenig pubertär, ganz so, als wären die Filmemacher 15-jährige Heavy-Metal-Fans aus dem Dorf: Shock Value über alles. Hier sind fast alle Figuren Widerlinge, hier ergehen sich fast alle Figuren permanent in Widerlichkeiten.

Atmosphärisch kann der Film dabei dennoch immer wieder punkten. Nebelverhangene Wälder, in Regenfluten ertrinkende Gassen, ein Gefühl, als wäre die Zivilisation selbst am Rande der Apokalypse angekommen: Das sieht mitunter schon alles sehr beeindruckend aus. Zumindest, wenn gerade mal keine Menschen gezeigt werden: Das hier zum Einsatz kommende Rotoscope-Verfahren ist in technischer Hinsicht zwar sehr bewundernswert, schöner lässt es die Figuren des Films aber nicht unbedingt wirken. Und das, was sie tun, will man erst recht nicht sehen.

So entwickelt sich der Film leider zu einem auf Dauer eher anstrengenden Erlebnis, das zwar durch eine geradezu wütend wirkende Grundhaltung sowie eine interessante paganistische Erzählperspektive punkten kann, mit seiner offensiv zur Schau gestellten „Hi hi, was sind wir hässlich“-Attitüde aber irgendwann einfach nur noch nervt. Mehr als 4 Punkte sind darum für mich nicht drin.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

19.09.2025, 03:27



Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch eine(n) Leihe/Kauf bei unseren Partnern. #VerdientProvisionen