White Trashvon D.S. | Permalink |
Joan (Shirley Chen, DIDI) ist als Kind mit ihren Eltern aus China in die USA eingewandert. Schon auf der Fahrt vom Flughafen zum neuen Heim lernt sie durch unübersehbar platzierte Werbeplakate die westlichen weiblichen Schönheitsideale - schlank, sexy und vor allem weiß - kennen, schon an ihrem ersten Tag in der Schule wird ihr überaus klar gemacht, dass sie ihnen nicht entspricht. Und folglich nicht dazugehört. Die Erzählung springt dann gute zehn Jahre in die Zukunft, und wir erleben, dass Joan seitdem alles gibt, um sich anzupassen und nicht als andersartig aufzufallen. So gibt sie das „exotische“ Lunch, das ihre Mutter ihr liebevoll zubereitet, an ihre ebenfalls „fremdländisch“ aussehende Freundin Brindha ab, kleidet und schminkt sich so all-american wie möglich, schwärmt für dieselben Boys und hegt die gleichen Träume wie ihre Altersgenossinnen: Prom Queen werden, das wär‘s. Als sie erfährt, dass das IT-Girl der Schule, deren Krönung längst ausgemachte Sache ist, wegen eines Filmdrehs nicht an der Nacht der Nächte teilnehmen und also auch nicht zur Wahl stehen wird, entwickelt sie die einigermaßen bizarre Idee, nun könnte tatsächlich sie selbst gewinnen. Jedenfalls, wenn sie sich die Haare blond färbt. Gemeinsam mit Brindha startet sie eine Wahlkampagne, doch die führt nur zu weiterer Demütigung. Da erhält sie eine Nachricht der obskuren Firma „Ethnos“. Die ihr nichts weniger als das Angebot unterbreitet, das Aussehen ihrer Träume zu erhalten. Ganz schmerzlos, garantiert effektiv - aber ohne Rückgabemöglichkeit … Bis dahin ausschließlich schmerzhaft treffende Sozial-Satire, greift der Debüt-Spielfilm von Amy Wang ab diesem Moment Body-Horror-Motive auf, die seine Aussage aufs Treffendste stützen und daher auch nicht etwa wie ein Bruch im Narrativ wirken: Vielmehr machen sie deutlich, machen sie gar körperlich spürbar, was der Versuch der Selbstaufgabe, des Verrats der eigenen Herkunft sowie Identität bedeutet. Von den Schauwerten her bleibt SLANTED dabei sehr zurückhaltend, was einerseits vermutlich seinem Budget geschuldet ist, andererseits aber wohl auch seinem Ansinnen, für ein breiteres Publikum zugänglich zu bleiben. Was ihm im direkten Vergleich mit dem letztjährigen GRAFTED, der eine erstaunlich ähnlich gelagerte Story erzählt, sich aber als Splatter-Tour-de-Force geriert, allemal gelingt. Allerdings liegen die wahre Stärke und der klare Fokus des Films ohnehin nicht bei Genre-Versatzstücken und Ekeleffekten. Stattdessen geht es ihm, deutlich erkennbar, in erster Linie darum, westlichen Rassismus als solchen zu entlarven und einem privilegierten, von ihm profitierenden Publikum seine Folgen für „nicht ins Bild passende“ Menschen vor Augen zu führen. Mitunter greift er dabei zweifellos auf Mittel zurück, die arg wenig subtil sind. Zumeist jedoch tut er das auf eine derart fröhlich überdrehte Weise, dass selbst politisch gänzlich Uninteressierte am dargebotenen Geschehen reichlich Spaß haben dürften, der durch ein, zwei nette Twists noch vergrößert wird. Das schwarzhumorige, mit Glück sogar ein paar Augen öffnende Highlight ist hier sicherlich ein Karaoke-Musikvideo zu einem Song namens „It‘s good to be white“, der sich unerbittlich in den Gehörgang fräst. Für alle, die sich bereits mit Rassismus, Asian Hate, Bodyshaming & Co. beschäftigt haben, gibt es hier aber noch zahlreiche weitere fein böse Details zu entdecken. Nicht zuletzt das stolze KKK-Maskottchen („Wizards“!) der Highschool, die Joan besucht. Ein so fies unterhaltsamer wie inhaltlich gnadenlos spitzer Film, der verdient den „Fresh Blood“-Award beim FFF 2025 gewonnen hat. Knappe 8 Punkte von mir. | |
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt | 30.09.2025, 22:06 |
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