crazy

Honey Bunch

Schicker Schein, blasses Sein

von D.S.
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Für fast einhellige Begeisterung beim Publikum sorgte dieses Jahr der „Fresh Blood“-Beitrag HONEY BUNCH, der in einigen Städten den Wettbewerb gar gewann und auch bei f3a.net derzeit knapp vor dem bundesweiten Sieger SLANTED liegt. Wenn ich ehrlich bin, wundert mich das ein wenig. Sehr. Denn wenngleich der zweite Spielfilm von Dusty Mancinelli und Madeleine Sims-Fewer (VIOLATION) insbesondere filmtechnisch zweifellos einiges auf der Habenseite zu verbuchen hat, erzählt er doch nichts, was wir nicht schon x-mal zuvor gesehen haben. Dabei fokussiert er extrem auf einen Story-Twist bzw. eine „interessante“ Erklärung des Geschehens, den/die man schon lange vorher kommen sieht. Und nachdem er sich endlich entsprechend offenbart hat, erklärt er seine Geschichte im letzten Drittel so dermaßen überdeutlich, dass man sich als Zuschauer fast ein wenig veralbert fühlen kann.

Im Zentrum der Handlung steht Diana (Grace Glowicki, derzeit als Regisseurin von DEAD LOVER selbst im Festival-Circuit unterwegs), die nach einem schweren Unfall das Gedächtnis verloren hat und nicht mehr eigenständig laufen kann. Um sie buchstäblich wieder auf die Beine zu bringen, hat ihr Ehemann Homer (Ben Petrie, BLACKBERRY) - nicht Joseph (Jason Isaacs), wie im Programmheft behauptet - sie in eine innovative, regenerative Klinik tief in den Wäldern Kanadas verbracht, wo man sich aufopferungsvoll um sie kümmert. Doch je länger sie vor Ort ist, desto häufiger leidet sie unter seltsamen Flashbacks/Halluzinationen/Visionen, die sie zunächst überhaupt nicht einordnen kann, die jedoch zunehmend beängstigend wirken. Wer sind die Beschäftigten, wer die anderen Patienten in der Klinik? Warum ertappt sie ihren Mann immer wieder bei versteckten Unterhaltungen mit der Leiterin der Klinik (Kate Dickie, TIMESTALKER)? Welche Rolle spielt deren Mann, der offenkundig geistig beschädigte Delwyn (großartig, aber auch schwer unterfordert: Julian Richings, BEAU IS AFRAID)?

Wie erwähnt, ab einem gewissen, nicht zu späten Punkt kann man sich ziemlich klar zusammenreimen, worauf die Erzählung hinausläuft. Ob man die offensiv ausführliche Aufklärung aller zuvor potenziell erzeugten Unklarheiten dann dankenswert erleuchtend oder beschämend plump findet, hängt vermutlich stark von der eigenen Erwartungshaltung und Twist-Freudigkeit ab. Auf neue Bahnen führt sie jedenfalls absolut nicht, was mich persönlich dann schon ein Stück weit enttäuscht hat. Andere offensichtlich weniger.

Aber vielleicht ist die übergreifende Begeisterung für diesen Film eben auch weniger in seiner Story und ihrer Auflösung begründet als in ihrer Umsetzung. Die beiden Hauptfiguren sind überaus sympathisch besetzt und lebensnah gespielt. Das Setdesign ist bis ins Detail 70er-Jahre-verzaubernd. Die Kameraarbeit fängt den geradezu verwunschenen, zwischen den Dimensionen scheinenden Handlungsort kongenial beeindruckend ein. HONEY BUNCH ist ein Film, den man sich gerne ansieht, und von dessen Welt man gerne noch sehr viel mehr sehen möchte. Spannend oder gar überraschend ist er aber leider nicht. Deshalb von mir nur 6 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

30.09.2025, 23:44



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