Shelby Oaks

Lake Doku

von Leimbacher-Mario
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Als YouTube-Filmkritiker gibt's glaube ich kaum einzelne Leute auf unserem Planeten, die in unserem Hobby mehr Follower und Zuschauer haben als Chris Stuckmann. Aber dass sich eine beachtliche digitale Anhängerschaft und Internetfame leider nicht automatisch in Kinozuschauer und echte Fans ummünzt, genauso wenig wie stabile Filmkritik nicht gleich guter Filmemacher bedeuten muss (obwohl mir Fans der Nouvelle Vague da wohl am ehesten widersprechen werden), müssen er und sein Regiedebüt "Shelby Oaks" diesen Herbst feststellen, da man leider nicht wirklich selbst die geringeren finanziellen Ansprüche an ein von Neon produziertes Indie-Horror-Kinoprojekt erfüllen konnte. Aber Box Office war ja noch nie gleichbedeutend mit Filmqualität - was kann also sein "Shelby Oaks", über eine paranormale YouTuberin, die spurlos verschwand und nach der nun ihre verzweifelte Schwester traumatisiert sucht...

Nicht wirklich stuckmannized...

Bei "Shelby Oaks" kommt's glaube ich ganz auf die eigenen Erwartungen an. Wenn man sich erhofft, dass es sich hier um den nächsten Ari Aster oder immerhin Osgood Perkins oder einen zukünftigen Horrorklassiker handelt, auch angeheizt durch die Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch Mike Flanagan, liegt man weit daneben. Guckt man jedoch auf tolle kleinere Details, ist gnädiger oder hat gar keine Erwartungen, dann gehört "Shelby Oaks" ganz sicher in die obere Hälfte der Horrorfilme des Jahres. Das heißt noch nichts Enormes, ist aber ein Anfang. Es sind bisher nur wenige Meister vom Himmel gefallen. Stuckmann gehört scheinbar nicht dazu. Was aber nichts vom respektablen "Shelby Oaks" nimmt. Und von seiner noch besseren, inspirierenden Reise zum Regisseur noch weniger. "Shelby Oaks" leidet unter einigen Klischees, handlungstechnischen Dummheiten und flachen Figuren, punktet dafür mit einer famosen stilistischen Wandlungsfähigkeit (Found Footage, Interviews, Audioausschnitte, Spielfilm), engagierten Darstellern und durchaus Kurzweiligkeit. "Shelby Oaks" sieht klasse aus, brummt gut aus dem Soundsystem, Stuckmanns Vorbilder sind unübersehbar, seine Vision ist klar und seine Ziele sind da. Ganz genügt er mit seinem Mysterygrusler noch nicht höheren Ansprüchen. Ein Dämon, der etwas Donnie Darkos Hasenkostüm ähnelt, hilft da wenig. Und etliche billigere Geisterbahnmomente, die er vor 10 Jahren noch heftig selbst angekreidet hätte, ebenso wenig. Aber hey, wie gesagt, für ein Debüt ist "Shelby Oaks" ein netter, kleiner Halloweenwatch zwischen "Sinister" und "Blair Witch Project". Mainstreamig und mitunter mit seinen Momenten. Es gibt klasse Ansätze und Schimmer von Genialität, von echter Inspiration. Insgesamt rüttelt man so aber natürlich das Horrorgame momentan nicht auf. Ein "Talk To Me" oder "Hereditary" ist's sicher nicht. Trotzdem würde ich mich massiv freuen, wenn das nicht Chris' letztes Projekt im Filmzirkus bleibt und er weitere Chancen erhält...

The Who Cares Glitch Project

Fazit: Solides, stilistisch kurzweiliges, aber inhaltlich und horrortechnisch leider etwas derivates und aus besseren Vorbildern zusammengestückeltes Regiedebüt von Chris Stuckmann - gut, guckbar, ein Start. Aber da sollte noch mehr gehen! Und warum so viele Jumpscares, Chris?!
Leimbacher-Mario

05.12.2025, 20:05



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