Diese Oma kommt mir spanisch vor… Ist aber argentinisch!von Leimbacher-Mario | Permalink |
„Crazy Old Lady“ aka „Vieja Loca“ lässt einen Mann eine Nacht lang auf die demente Mutter seiner Ex-Freundin aufpassen. Doch was auf dem Papier nach einem leichten Gefallen klingt, entpuppt sich als schmerzhafter Abstieg in die kranke Psyche und Vergangenheit einer älteren Frau mit düsteren Geheimnissen… Whining & Dining „Vieja Loca“ punktet mit einer kleinen Portion Boshaftigkeit und einer großen Portion Carmen Maura - fertig ist ein in Teilen spassig-spanischer Folterkeller. Nicht zu lang, nicht zu klamm. Aber leider auch nie wirklich wow, nie wirklich mit Volldampf unterwegs, nie wirklich gut. Immer gefühlt etwas zu sehr auf der Bremse stehend. Intellektuell, inhaltlich, charakterlich. Immer wenn man denkt, jetzt könnte das Ganze mal völlig ausarten, kommt oft genug nur heiße Luft und nicht ein halb so fieser Verlauf, wie man ihn sich selbst ausmalt. Zumindest ging’s mir so. Da hatte ich viel mehr von Bayona erwartet - aber er ist ja auch nur Produzent. Das Titellied ist fein und klammert das Geschehen nett ein. Die letzten Minuten schwingen sich zumindest ansatzweise zu den Abgründen auf, die man eigentlich schon die ganze Zeit fühlen wollte. Und Carmen Maura spielt furchtlos, beherrscht das Geschehen jederzeit und ist in ihrem Heimatland vollkommen zurecht eine unsterbliche Legende. Und das teilweise Kokettieren mit weiblicher Sexualität im Alter hat reizende Momente. Mit dem „Demenzblickwinkel“ wird dagegen kaum etwas gemacht, womit ich aber leben kann, da das Thema auch im Genre in letzter Zeit echt oft wiedergekaut wurde. Dafür gibt’s recht früh eine der unangenehmeren und gut getricksten „Tiertodesszenen“ seit Längerem. Aber irgendwie bleibt es bei solchen gemeinen Momentaufnahmen und insgesamt ist „Crazy Old Lady“ schneller vergessen als man es sich je gedacht hätte. Es fehlt Biss. Es fehlt die letzte Konsequenz. Nicht mehr als ein hochwertiger Lückenfüller auf Genrefestivals. Erst recht wenn man Vergleiche wie „Misery“ und „The Loved Ones“ im Kopf hat. Oder auch spanische Querschläger a la „Shrews Nest“, „The Invisible Guest“ oder „Julias Eyes“ von vor ein paar Jahren, die einfach viel mehr hängen geblieben sind. Über diese verrückte alte Dame wird in einem halben Jahr kein Hahn mehr Krähen. Und das muss man mit einer dermaßen in die Vollen gehenden Carmen Maura auch erstmal schaffen… Leider. Fazit: Eine verdammt intensive ältere Dame zwischen Grusel, Erotik und Mitleid, hochwertige Beleuchtung, dichte Wohnzimmeratmosphäre, etwas augenzwinkernder Torture Porn und viel ungemütliches (auch sexuelles!) Innuendo helfen „Crazy Old Lady“ zumindest phasenweise minimal über den Schnitt. Ganz so grandios, gnadenlos und genreaffin wie vergleichbare Titel noch vor wenigen Jahren aus diesen Gefilden kommt diese „spanische Fliege“ aber nie auch nur ansatzweise rüber… | |
17.01.2026, 18:03 | |
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