Nicht zu alt für den Scheiß.von D.S. | Permalink |
Ein weiterer Eintrag ins boomende Subgenre des „Senioren-Horrors“ – das in Spanien offenkundig besonders gut gedeiht, wie Beiträge aus den letzten Jahren wie THE ELDERLY oder LA ABUELA nahelegen. VIEJA LOCA, das Langfilmdebüt von Martín Mauregui, ist allerdings weniger straighter Horror als vielmehr tiefschwarze Farce. Was ihn nicht daran hindert, eine sehr unangenehme, mitunter wirklich bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und ein paar deftige Gewaltspitzen einzubauen. Vor allem aber kann der Film einen beträchtlich triggern – zumindest, wenn man in seinem eigenen Umfeld selbst demente Menschen hat. Ein solcher steht hier im Mittelpunkt der Handlung: Alicia lebt seit dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem großen, abgelegenen Haus, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat, und bedarf der täglichen Unterstützung durch eine Pflegerin, die nicht zuletzt dafür Sorge trägt, dass die alte Dame regelmäßig ihre Pillen schluckt. Ihre bedenkliche geistige Verfassung wird uns gleich zu Beginn der Handlung nachdrücklich vermittelt: Wir werden Zeugen eines Telefonats, das ihre Tochter mit Alicia führt, während sie im Auto unterwegs ist. Die alte Dame ruft sie gleich dreimal hintereinander an, um ein simples Rezept-Detail immer und immer wieder zu erfragen, was die Nerven nicht nur ihrer Tochter rasch arg belastet, sondern auch unsere. Als sich herausstellt, dass die Pflegerin an diesem Abend aus unbekannten Gründen nicht aufzufinden ist, bittet Alicias Tochter ihren Ex Pedro (Daniel Hendler, PHASE 7) darum, bei ihrer Mutter nach dem Rechten zu sehen. Der sagt zu, was sich bald als die vielleicht schlechteste Entscheidung seines Lebens erweisen soll. Denn Alicias Demenz hat sich nicht eben harm- und hilflos gemacht … Alt-Star Carmen Maura (WITCHING & BITCHING) brilliert in der Titelrolle. Sie kann einem tatsächlich mitunter etwas Angst einjagen, und ihr Verhalten Pedro gegenüber eskaliert in immer größerem Maße. Leider jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt – es wirkt ein wenig so, als habe das Drehbuch sich mehr mit der Zeichnung einer finsteren Ausgangssituation als mit ihrem Fortgang bzw. ihrer Auflösung beschäftigt. Ein paar entscheidende Fragen werden nicht beantwortet, einige Themen verlaufen ziemlich im Nichts. Insgesamt ist VIEJA LOCA aber durchaus recht wirkungsvoll, wenn auch zeitweilig leicht anstrengend. Zudem werden vor allem anfangs ein paar schöne visuelle Ideen ausgespielt. Für mich 6,5 von 10 Punkten wert. … und ein leicht irritiertes Stirnrunzeln darüber, dass der Regisseur den Film allen Ernstes seiner Mutter gewidmet hat. | |
17.01.2026, 19:30 | |
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