Unentschieden der Mächtevon Leimbacher-Mario | Permalink |
„The Holy Boy“ variiert und kippt konsequent einige Horrorklischees um einen „heiligen“ oder bösen (oder einfach missverstandenen?) Jugendlichen in einem abgeschiedenen italienischen Bergdorf, der eine besondere Beziehung zum neuen Sportlehrer (und Judomeister!) aufbaut und der scheinbar den religiösen Kern der mysteriösen „guten Laune“ der Gemeinde darstellt… Ballade der Schmerzen Böse (pubertäre) Buben und religiöse Verstörungen gibt’s viele in der Geschichte des Horrors. Gerade das noch immer klar katholisch geprägte Italien passt in diese (schon immer etwas gruseligen, fremdgesteuerten und unterwürfigen) Muster. Und Paolo Strippolis intensiver „The Holy Boy“ spielt mit all diesen Ansätzen und Traditionen. Charaktere mit Kanten. Feinste aber messerscharfe Felswände. Traumas, die verstören (und oft lobenswert nur auf der Tonspur rezitiert werden)! Top Jugenddarsteller. Edle Holzberghäuser. Und immer eine Aura des Unbehagens, die jederzeit vom Seelischen ins Körperliche kippen könnte. Und das dann natürlich auch tut. Nicht immer genau wie man vermutet. Aber doch oft genug. Gerade im Mittelteil der zwei Stunden gibt’s zudem die ein oder andere Länge. Aber das Warten lohnt sich. Ein paar Motive und Bilder werden mir sehr wahrscheinlich länger im Gedächtnis und in den Knochen bleiben. Und vor allem das Thema der (eher seelischen als körperlichen) Schmerzen und dem Umgang mit diesen, die Verdrängung dieser, den Kampf „Gut gegen Böse“ in jedem von uns - das macht „The Holy Boy“ schon echt packend. Und wird damit auch ein wenig zu einer „Pluribus“-Variation mit religiöseren Motiven. Kein Volltreffer, aber am Ende einer der vielversprechenderen Vertreter der europäischen Genrefilmsaison. Ode der Qualen Fazit: Mit satten zwei Stunden vielleicht etwas (passend zum Thema) zu gutgläubig in seine Qualitäten. Und erstaunlich wenig „klassischer Horror“, trotz bodysnatcher'igen und omen'artigen Motiven. Aber definitiv kein schlechter Film. Erstaunlich emotional. Nur eben auch nicht das waschechte Highlight, das ich mir vorher vielleicht im besten Fall erhofft hatte… Trotzdem gibt's von mir eine milde Empfehlung. | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 24.01.2026, 20:39 |
|
Weitere Informationen (externe Links): | |||||