crazy

Whistle

Haters gonna hate

von D.S.
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Ich verstehe jeden Reviewer, der diesen Film in Grund und Boden kritisiert. Und jeden FFF-Gänger, der von ihm gelangweilt oder gar verärgert ist, weil er in seinen Augen wie generisches Mainstream-Machwerk von der Stange wirkt. Trotzdem kann ich kaum anders, als ihn (halbwegs) abzufeiern. Denn er weiß genau, was er sein will. Und erreicht sein Ziel auf den Punkt genau.

Dieses Ziel ist dabei übrigens nicht einfach nur die optimale Imitation von übernatürlichem 90s-Teenie-Horror. Sondern auch eine Hommage an die amerikanischen Highschool-Filme, wie sie von John Hughes perfektioniert wurden – was der englische Regisseur Corin Hardy in seiner charmanten Videobotschaft vor Beginn des Films selbst erklärte.

Und was soll ich sagen, ich fand das Ergebnis seiner Bemühungen mindestens genauso charmant. Sein WHISTLE hat, ganz abseits vom Horror, unverkennbare BREAKFAST CLUB-Vibes, die allerdings eindeutig britisch eingefärbt sind – wozu auch die Besetzung von Genre-Schlachtross Nick Frost in einer leider viel zu kleinen Nebenrolle beiträgt. Das führte bei mir zu schönen Nostalgie-Gefühlen, die aber gleichzeitig einen frischen, leicht neben der Klischee-Spur liegenden Touch hatten. Weniger Hollywood, mehr Herz, wenn man so will.

Apropos: Natürlich hat man die Story von WHISTLE schon tausende Male auf der Leinwand (oder eher auf dem TV-Monitor) gesehen, Plot und auch Inszenierung bieten absolut keine Innovationen oder auch nur Elemente, die von der vertrauten Marschroute abweichen. Es geht hier um ein klassisches „cursed object“, genauer gesagt eine aztekische Toten-Pfeife. Unsere maximal beschränkten Protagonist:innen erfahren schon recht früh im Film, dass sie wohl dazu dient, die Toten herbeizurufen. Ob das ihr tatsächlicher Zweck ist oder nicht, sei mal dahingestellt – aber wer würde denn bei dieser Prämisse ernsthaft darauf kommen, in das Ding zu blasen? Zumal es sehr offensichtlich bereits zuvor unfassbar brutale Todesfälle unter der Schülerschaft ihrer Highschool gab, die in irgendeiner Form mit der Pfeife zu tun hatten? Nun, genau diese unsere Protagonist:innen natürlich. Und so kommt es, wie es kommen muss: Das in der Pfeife steckende oder mit ihr verbundene Böse wird zum Leben erweckt und kommt angerast, um ihnen selbiges zu nehmen. Auf ausnehmend gorige Weise.

Also, ja, hier gibt’s nichts Neues zu bewundern. Im Gegenteil, das Altbekannte wird vom Plot sogar unübersehbar zitiert, wobei speziell FINAL DESTINATION als Pate für die Ausschweifungen der Handlung herhalten muss. Aber hey: besser gut kopiert als schlecht erdacht. Und WHISTLE kopiert famos. Die Story hat kein Fett, nahezu keine überflüssigen Inhalte, bietet kaum Atempausen und definitiv keine Langeweile: Die Anspannung ist von Anfang an hoch und wird auch zwischendurch nicht reduziert, das Tempo selten gedrosselt, und wenn doch, dann nur für inhaltlich relevante Plot-Ergänzungen. Zudem ist eine erfreuliche Härte nicht zu leugnen. Selbst, wenn bei den meisten Kills eine Menge CGI zum Einsatz kommt: Man sieht hier größtenteils überaus heftig ausgestaltete Todesarten. Und einige davon hat man so auch tatsächlich noch nie gesehen.

Vor allem aber spürt man, dass hier jemand am Werk ist, der das Ganze nicht nur aus rein kommerziellen Gründen veranstaltet. Sondern auch, weil sein Herz daran hängt. Gut, Corin Hardys vorheriger Film THE NUN lässt diese Aussage ziemlich zweifelhaft erscheinen. Aber nicht nur sein Debüt-Feature THE HALLOW ist meiner Meinung nach Beleg dafür, dass hier ein echter Horrorfan zugange ist: In der irisch-kanadischen Co-Produktion WHISTLE tauchen gleich mehrere Namen auf, die uns zweifelsfrei sagen sollten, wo ihr Macher herkommt. So heißt die von Nick Frost gespielte Figur „Mr. Craven“, eine Zigarettenmarke heißt „Cronenberg‘s“ und ein anderes Objekt (ich weiß nicht mehr, welches) „Muschietti“. Das ist Fan-Service. Von einem Fan.

Und als Fan sowohl von 90s-Horror als auch 80s-Highschool-Filmen hatte ich hiermit schlichtweg einen Haufen (fast uneingeschränkten) Spaß. Deshalb glückliche 7 Punkte von mir, die erst recht durch die Mid-Credits-Scene verdient sind.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

04.05.2026, 14:21



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