Venice in Perilvon Herr_Kees | Permalink |
Es gibt nur wenige Filme, die einen schon in ihren ersten Sekunden in Bann ziehen, ganz gleich, wie oft man sie gesehen hat. DON‘T LOOK NOW ist so ein Film. Gäbe es nur diese erste Szene, das Mädchen im roten Regenmantel, der Teich, der Regen, die Eltern im Haus, die rotgekleidete Gestalt auf dem Dia, das verschüttete Wasser, das die Farben löst und rot auf dem Bild verläuft, der Vater mit dem schlammbedeckten Mädchen im Arm, dieser stöhnende Schrei – man könnte, ja, müsste bereits von einem Meisterwerk sprechen. Doch der Film fängt ja gerade erst an. Wie Nicholas Roeg, sein Cutter Graeme Clifford, Kameramann Anthony Richmond, Komponist Pino Donaggio und überhaupt alle Beteiligten hier mit Schnitt, Kameraführung, Farbgebung, Schnitt, Musik (diese Musik!) und immer wieder: Schnitt! ein ganzheitliches Filmkunstwerk schaffen, das ist einfach wunderbar anzusehen. Und die Anfangssequenz ist nur eine von vielen, die man für immer im Gedächtnis eingebrannt hat: Der Unfall in der Kirche, der eine gefühlte Ewigkeit andauert. Die Sexszene, die – umrahmt und montiert mit Alltagsszenen eines langjährigen Ehepaars – eine noch immer unerreichte Intimität auf die Leinwand bannt (und das, obwohl sie am ersten Tag gedreht wurde und Christie und Sutherland sich vorher nicht kannten!). Das Trauerschiff auf dem Kanal. Das verzerrte Gesicht der blinden Seherin. Die letzte Konfrontation, Auflösung, Erlösung? Obwohl der Film als Meilenstein des Horrorfilms gilt, ist er, insbesondere mit jahrzehntelangem Abstand und gemessen an heutigen Genrebeiträgen, eigentlich wenig furchteinflößend. Dafür verbreitet er von Anfang an eine bedrückende Atmosphäre, die auch nach dem Film noch lange anhält. Ein Meisterwerk, ohne Zweifel. | |
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart | 14.09.2026, 00:47 |
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