Full Metal Pubertyvon Herr_Kees | Permalink |
Ben ist neu im Wasserball-Camp – und neu in der Stadt. Einige Jungs hier sind schon länger dabei, eine eingeschworene Gemeinschaft von 12- und 13-Jährigen mit ihren eigenen Ritualen. Dazu gehört auch, Eli zu meiden. Der etwas pummelige Junge, der auch im Wasser sein T-Shirt nicht auszieht und sich überhaupt etwas weird benimmt, hat einen heftigen Hautausschlag, sie nennen es „The Plague“. Für den schwächlichen Ben, eigentlich selbst ein potenzielles Opfer mit seinem Boston-Akzent, steht fest, dass er auf jeden Fall dazugehören wird, auch wenn das bedeutet, sich gegen Eli zu stellen. Doch das wird immer schwerer und Ben steht bald vor einer Gewissensprobe, die zeigen wird, was er für ein Mensch ist, beziehungsweise werden will. Eine klassische Coming-of-Age-Problematik. Dass Kinder grausam sein können, ist bekannt, wie Gruppendynamiken unter Jungs oder Männern funktionieren, auch. Zwar haben wir es hier mit einer eher lockeren Zusammenkunft im Rahmen eines Sommer-Trainingscamps zu tun und nicht mit einer Extremsituation wie eine Drillkaserne in den USA der 70er, aber der Film wirkt in vielen Szenen wie ein Teenie-Remake von FULL METAL JACKET. Joel Edgerton, der hier auch als Produzent fungiert, portraitiert als einziger Erwachsener einen denkbar ungeeigneten Coach – „that was the worst pep talk ever“, sagt ihm Ben einmal. Die Eltern spielen nur durch ihre Abwesenheit eine Rolle: eine gestorbene Mutter, ein strenger Vater, Erziehungsberechtigte, die froh sind, ihre Problemkinder mal für ein paar Wochen los zu sein. Der ganz normale Horror, subtil, alltäglich. Inszeniert ist das alles für ein Debüt eindrucksvoll stilsicher, untermalt mit einem Soundtrack, der Elemente von Ennio Morricone mit Kinderstimmen umsetzt. Sehenswert und spürenswert. | |
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart | 14.09.2026, 00:52 |
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