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Nervous

Impatient. Bored. Annoyed.

von Herr_Kees
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Regisseur Abner Pastoll hat 2019 mit seiner Hauptdarstellerin Sarah Bolger einen fesselnden, ungewöhnlich realistischen Gangsterthriller gemacht – A GOOD WOMAN IS HARD TO FIND. Umso erstaunlicher ist es, dass er sieben Jahre später mit seinem zweiten Langfilm etwas abliefert, das aussieht wie ein amateurhaftes Erstlingswerk.

Sarah ist ihrem Ehemann Sungsoo nach Korea gefolgt und mit ihm in das leer stehende Haus seiner Tante gezogen. Auf dem Dachboden finden sie ein altes Grammophon mit einer Schallplatte, die aber außer Knacksen keine hörbaren Geräusche von sich gibt. Doch nach dem ersten Abspielen verändert sich plötzlich Sarahs Gehör: Sie kann Männerstimmen nur noch gedämpft wahrnehmen. Zudem hat sie unkontrollierte Ohrblutungen. Die Ärzte können nichts feststellen, vermuten eine stressbedingte Reaktion und empfehlen einen Psychiater. Sarah ignoriert das und freundet sich mit ihrer Nachbarin Eunbyeol an. In der Gegend verschwinden Frauen und ein Serientäter ermordet Männer. Eine ältere umhergeisternde Frau im gelben Regenmantel soll wohl Asia-Horror referenzieren. Sarahs Mann findet eine ominöse Botschaft in der Schallplattenhülle, die er aber zerknüllt, ohne dass Sarah die lesen konnte.

Was nach den Zutaten für einen raffinierten Mysterythriller klingt, bleibt genau das – ein Haufen Zutaten. Pastoll sagte selbst, dass er einfach nach Korea gegangen sei und den Film gemacht hat. Wie er die Themen, die ihm vorschwebten, zu einem sinnvollen oder zumindest interessanten Ganzen verbinden könnte, hatte er sich vorher offenbar nicht überlegt. Der Hörverlust kann als kulturelle und/oder eheliche Entfremdung gelesen werden, er kann genauso gut bedeuten, dass Sarah Männer nicht mehr versteht und sich lieber den Frauen (in diesem Fall: der Nachbarin) zuwendet. Vielleicht verliert sie auch einfach nur den Verstand. Pastoll gibt keinerlei Hinweise, allerdings hat man nie den Eindruck, er hätte selbst eine künstlerische Vision beim Dreh gehabt, geschweige denn einen Masterplan.

Auch Sarah Bolger, eigentlich eine fähige Schauspielerin, agiert hier extrem eindimensional, lächelt freundlich alles weg, wenn sie nicht gerade blutet. Darüber hinaus herrscht zwischen den sich eigentlich so nahestehenden Personen hier keinerlei Chemie, weder die Ehe noch die enge Freundschaft nimmt man den Figuren ab. Der Film ist extrem kühl und flach ausgeleuchtet, nicht mal das Makeup-Department war professionell genug, das ständige Gesichtsglänzen von Frau Bolger zu überpudern.

Das alles ist insofern enttäuschend, weil Pastoll und Bolger so einen vielversprechenden Erstling hingelegt haben. Vielleicht drehen sie ja nächstes Mal wieder in Irland. Mit einem ordentlichen Drehbuch.
Herr_Kees
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart

15.09.2026, 16:26



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