Hex

Where has all the Music gone?

von D.S.
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Mix aus echter Dokumentation über eine mir bis dato vollständig unbekannte rein weibliche Black-Metal-Band aus Norwegen und gescripteter Rahmenhandlung, in der die Mitglieder dieser Band vor Gericht stehen, wo sie aufgrund eines Erlasses aus dem 17. Jahrhundert des Hexen-Daseins beschuldigt werden. Als Zeugen werden diverse reale Menschen aus der norwegischen Bürgerschaft oder auch der Metal-Szene aufgerufen, die sich meist für, manchmal gegen die Band – WITCH CLUB SATAN – und ihr Tun aussprechen.

Inhaltlich geht es in beiden Formaten des Films allerdings vorwiegend um die Bedeutung der Musikerinnen und ihres Wirkens hinsichtlich der „Evolution“ der bis dato klar männlich dominierten Black-Metal-Szene und eines Stärkens feministischer Werte. Wobei durchaus diskutiert wird, ob ihre viel Nacktheit inkludierende Bühnenpräsenz tatsächlich als „Female Empowerment“ bzw. kämpferischer Feminismus gewertet werden kann oder nicht vielleicht doch eher unter dem bewährten Motto „Sex sells“ eingeordnet werden sollte.

Das sind allemal interessante Aspekte, und mitunter gelingt es dem Film auch, sie auf eine audiovisuell spannende Weise vorzustellen. Das Gerichts-Setting wirkt dabei zwar reichlich artifiziell, jedoch sorgt es für Abwechslung – und vor allem werden in diesen Teilen des Films relevante Inhalte kompakt auf den Punkt gebracht. Genau das geht einem Großteil der Doku-Handlung leider ziemlich ab: Hier wird durchgehend viel geredet, und einiges davon mag für Fans der Band interessant sein, weil man mehr über die Hintergründe der Musikerinnen und ihre emotionale Verfasstheit erfährt. Für ein neutrales bzw. unbelecktes Publikum werden jedoch eindeutig zu viele Nebensächlichkeiten thematisiert, wie etwa der Umzug der Drummerin nach Bordeaux, der weder etwas mit Feminismus noch mit Black Metal zu tun hat und für mich persönlich nur zum öfter aufblitzenden Gefühl führte, dass hier Zeit geschunden oder mit Unwichtigem vergeudet wird.

Mein größeres Problem mit dem Film besteht allerdings darin, dass er uns viel zu wenig von der Musik hören lässt, um die es hier, in einer Musik-Doku, doch eigentlich gehen sollte. Wenn ich mich richtig erinnere, wird nicht ein einziger Song komplett ausgespielt, oft hört man nur wenige Sekunden eines Titels und sieht entsprechend auch nur wenige Sekunden eines Live-Auftritts. Was schade ist, da ein umfangreicheres Eintauchen ins Werk der Band die äußerst dialoglastige Handlung gut hätte auflockern und dem Publikum die Möglichkeit an die Hand hätte geben können, zu entscheiden, ob man sich denn überhaupt weiter mit WITCH CLUB SATAN und ihrer Musik beschäftigen möchte.

Ich will nicht leugnen, dass es einige sehr atmosphärische, von nahezu ätherischen Gesangs-/Spoken-Word-Einlagen zielgenau untermalte Einstellungen zu goutieren gibt, die sich tatsächlich nahezu dunkel-magisch anfühlen und damit den „Hexen“-Aspekt der Band-Philosophie zum Leben erwecken. Aber es sind zu wenige, zu kurze. Abgesehen davon wollten mich bis zum Ende des Films die Zweifel nicht loslassen, ob sich die Musikerinnen eigentlich wirklich für Black Metal interessieren – oder ihr Band-Dasein nicht doch vielmehr als reines „Projekt“, als „Performance Art“ betrachten (was sie zumindest am Anfang des Films sogar wörtlich sagen) und das Musikgenre vielleicht letztlich vor allem aus dem Grund ausgewählt haben, dass sie in diesem testosterongeschwängerten Umfeld für das größte Aufsehen sorgen würden. Und ihr (anfänglicher?) Mangel an musikalischem Können hier das geringste Problem darstellen würde.

Dass die Gitarristin in mehreren Szenen des Films ein Palinazi-Tuch trägt und irgendwas von „Genozid“ faselt, macht sie für mich nicht unbedingt sympathischer. Abgesehen davon jedoch wirkt sie als einzige wie jemand, der mit Metal auch im echten Leben etwas anfangen kann. Speziell die Drummerin tritt im gezeigten Alltag dagegen vielmehr wie jemand auf, den man als Metal-Fan unter normalen Umständen vermutlich als „Popper“ beschimpfen würde.

Insofern bin ich von Teilen des Films allemal beeindruckt, und die Bedeutung, Wirkkraft der Band kann man vermutlich ohnehin gar nicht hoch genug einschätzen. Von anderen Teilen wurde ich aber mehr gelangweilt bis irritiert hinterlassen, vor allem jedoch hätte ich mir, wie erwähnt, von einer Musik-Doku mehr Musik gewünscht. Insgesamt von meiner Seite deshalb leider nicht mehr als 5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

24.09.2026, 02:54



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