To Sir, with Love

Teaching Mrs. Park

von D.S.
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In meinen Augen ein klasse Film: ein Slasher, der gleichermaßen stellenweise ziemlich brutale Bilder bietet (aber, nichts falsches erwarten, nicht sehr oft), eine originell erzählte Geschichte sein Eigen nennt, ordentliche Überraschungen beinhaltet und auch noch über eine extrem unangenehme Gesamtatmosphäre verfügt - was will man mehr? Naja, vielleicht ein paar Klischees und Plattheiten weniger, etwas mehr Glaubwürdigkeit und eine geringere Dosis an moralischem Zeigefinger. Aber abgesehen davon, und trotzdem, ist "To Sir, with Love" für alle Genrefans ein sicherer Hit, der durch seinen Storyaufbau tatsächlich so etwas wie frischen Wind in diese Filmsparte pustet. Allerdings muß man insbesondere im letzten Drittel schon etwas genauer aufpassen, sonst bekommt man die sehr kurz gehaltene Erklärung der Hintergründe nicht mit. Und in diesem Fall kann "To Sir, with Love" auch wie ein unverständlicher, unlogischer Haufen Müll erscheinen. Tatsächlich ergibt hier aber alles durchaus einen Sinn, ist in sich stimmig und konsequent bis zum Ende gedacht. Nur halt an ein paar relevanten Stellen nicht besonders glaubwürdig, aber manchmal muß man eine Geschichte wohl auch einfach mal als Geschichte akzeptieren und darf sich nicht fragen, ob hier nicht im unglaublichen Maße überreagiert wird. Läßt man sich auf die Prämisse ein, daß die Charaktere dieses Films sämtlichst höchst verletzliche Individuen sind, die bestimmte seelische Verletzungen auch 20 Jahre später nicht mal im Ansatz verdaut haben, kann man auch ihr demonstriertes Verhalten bis zur letzten Stufe durchaus nachvollziehen oder zumindest als bedingt vorstellbar schlucken. "To Sir, with Love" - falls mir übrigens jemand diesen Titel erklären kann, kriegt er eine Packung Kekse (das Geld ist für einen wohltätigen Zweck!) - beginnt nach dem Vorspann fast wie eine Hommage an "Seven": Zwei Cops finden im Keller eines abgelegenen Landhauses eine Handvoll übel zugerichteter Leichen. Die einzigen Überlebenden des Blutbads sind eine junge und eine deutlich ältere Frau. Während die Alte im Krankenhaus komatös dahindämmert, erzählt die Jüngere dem Kommissar, was vorgefallen ist: zur Feier des Geburtstags ihrer Klassenlehrerin Mrs. Park haben sich mehrere ihrer Ex-Grundschüler eingefunden. Die alte Dame ist schwer krank und nur noch im Rollstuhl mobil, wird jedoch von ihrer ehemaligen Schülerin Mi-ja betreut und gepflegt. Wie sich nach kurzer Zeit herausstellt, ist Mi-ja aber offensichtlich die Einzige, die keinen tiefsitzenden Groll gegen Mrs. Park hegt: alle anderen Anwesenden lassen mehr oder minder schnell die Maske fallen und geben ihrer früheren Lehrerin sehr deutlich zu verstehen, daß sie ihnen ihr gesamtes Leben versaut hat, weil sie sie als Schüler permanent gedemütigt hatte - da sie ihr zu arm, zu dick, zu dumm erschienen. Wie gesagt, Glaubwürdigkeit nehmen wir jetzt mal nicht ganz so ernst, aber die Leute hier sind definitiv alle ganz ernsthaft sauer - und in dieser Phase hat der Film meiner Meinung nach seine stärksten Momente. Die Stimmung kippt Schritt für Schritt ganz extrem um, vom fröhlichen Klassentreffen zur bösartigen Abrechnung: es ist unangenehm und bedrückend, hierbei zuzusehen. Großartiges Kino, davon hätte ich mir wesentlich mehr gewünscht: die Aufdeckung schlimmer Geschichten, die echten Gefühle der Protagonisten für die nur angeblich verehrte Lehrerin, ihre Reaktionen auf die Verkehrung der Situation. Leider wird dann jedoch der Fokus deutlich verändert - wir landen in einem klassischen Slasher. Irgendjemand nimmt sich die Ex-Schüler einen nach dem anderen vor. Wer und warum? Hier wird es dann blutiger, allerdings auch nicht in Übermaßen, vom Filmcharakter her wird es aber ziemlich erwartbar - nur, daß dieser Part vielleicht ein wenig gehetzt erscheint. Aber kein Wunder, schließlich wartet noch die Hintergrundgeschichte auf uns, und die bietet einiges mehr, als üblich ist. Und nimmt das gesamte Schlussdrittel des Films für sich ein. Wir haben also eine unangenehme Atmosphäre, wir haben Härte und wir haben Überraschungen. Für einen Slasher ist das außergewöhnlich viel Gutes auf einmal, und wenn gegen Ende nicht so beharrlich die Moral, die Pseudo-Sozialkritik und die Klischeehaftigkeit der eigentlichen Storyvoraussetzung ausgewalzt worden wäre... dann wäre "To Sir, with Love" vielleicht ein richtiger kleiner Hit geworden. Aber auch so reicht es für dicke 7 Punkte und eine klare Empfehlung.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

09.08.2007, 07:24



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