Ichi the Killer

Ichi ohne Scratchy

von Niki Wurster
Takashi Miike ist einer der ganz grossen. Der Mann traut sich was, bricht ein Tabu nach dem anderen und schafft dabei visionäre Filme, die das Publikum spalten. Die einen sind schockiert und fasziniert, die anderen schockiert und angewidert. Miike ist einer der vielen Gründe, warum der japanische Film momentan der interessanteste ist. Weniger interessant als seine bisherigen Werke, die mich allesamt absolut begeistern konnten (meine Kinnlade ist noch nie zuvor so weit heruntergeklappt wie währnd den letzten 15 Minuten von Miikes Meisterwerk AUDITION), ist leider ITCHI THE KILLER ausgefallen.

Im Prinzip ist alles da, skurriler Humor, gepaart mit skurrilen Splattereinlagen, Sperma, Yakuza und Sex. Leider fühlt man bei ICHI sehr stark, dass Miike momentan einen Film nach dem anderen runterkurbelt und sich darum für keinen mehr so richtig Zeit nehmen kann.

Die Story ist holprig, hat viele Längen. Ein Problem, dem auch die over-the-top Charaktere nicht wirklich abhelfen können. Die sind jedoch wirklich spassig und, wenn sie erstmal in Fahrt kommen, sehr kurzweilig. Allen voran Ichi, der nicht ganz freiwillige Killer und Kakihara, der Yakuza Folterknecht und Sado-Masochist per se, gesegnet mit dem originellsten Charakter Design, das seit langem auf der Leinwand zu bestaunen war.

Auch die Gore-Effekte -- die übrigens bei weitem nicht so hart und zahlreich sind wie von mancherlei Seite behauptet wird -- sind zum grossen Teil wenig einfallsreich und wiederholen sich ständig (aufgetrennte Halsschlagadern, durchgeschnittene Körper(-teile)). Ein riesiges Manko ist auch Miikes Einführung von CGI-Gore. Das sieht nun wirklich beschissen aus und macht absolut keinen Spass. Digitale Effekte sind generell in asiatischen Filmen eher mies, aber so richtig unglaubhaft wird’s halt bei der Darstellung von Körperflüssigkeiten. Auch wenn’s billiger ist als praktische Effekte, bitte nicht mehr.

Der Film ist ganz einfach zu lang. Ein Kürzung auf etwa 90 Minuten hätte völlig genügt, um die Rasanz des Films zu steigern. Unnötiges Material gibt es schliesslich genug. Ansonsten ist ICHI THE KILLER ein Mordsspass, mit vielen Stellen, die zum Lachen und Staunen anregen. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit seitens Miikes hätten ICHI dennoch gut getan. Gebt dem Mann endlich etwas mehr Gage pro Film, damit er nicht einen Job nach dem anderen abramschen muss!
Niki Wurster
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

09.08.2002, 17:15



Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch eine(n) Leihe/Kauf bei unseren Partnern. #VerdientProvisionen


amazon.de 0,00
amazon.com$ 27,99


Der tatsächliche Preis kann abweichen! Preise werden max. stündlich aktualisiert. Markierte Preise sind seit dem letzten Abruf ↓ gesunken oder ↑ gestiegen.