crazy

Sukiyaki Western Django

Lieber Western von gestern.

von D.S.
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Leider nicht ganz der erhoffte Partyfilm voller wilder visueller Ideen und bonbonbunter Storyexplosionen. Sondern eher ein deutlich zu lang geratener, streckenweise richtig zäher Zwitter aus typischem Western im untypischen Ambiente, Klamaukparade und sich viel zu clever gerierendem Metaebenen-Geplänkel. Letzteres könnte man auch den "Tarantino-Virus" nennen, und damit meine ich nicht nur dessen bodenlose schauspielerische Leistung, die uns zum Glück nur ein paar Minuten lang belästigt. Sondern viel mehr die Etablierung einer übergeordneten, selbstreflexiven Ebene im Film, die uns die ironische Distanzierung des Erzählenden vom Erzählten viel zu deutlich unter die Nase reiben will. Einfacher gesagt, "Sukiyaki Western Django" ruft viel zu laut: "Hey, wir nutzen gelernte Klischees, verwenden sie lässig in ganz neuen Zusammenhängen und erschaffen so den ultimativen Kult! Aber nur für Kenner!" Leider floppt der Film in dieser Hinsicht aber ungefähr so wie auch "Death Proof": die trashigen B-Movies, die hier wie dort zitiert und variiert werden, waren ja nicht in sich schon "Kult". Sie sind es tatsächlich erst für uns heute, da wir sie mit einem ungläubigen Grinsen und Kopfschütteln betrachten können - mit der mehr oder weniger deutlich formulierten Aussage "Was für eine Sch..." auf den Lippen. Den Müll von damals im Stil von heute neu aufzulegen, macht den Müll aber noch lange nicht zu Gold. Das taugt höchstens zu einer zweifelhaft amüsanten Nummernrevue, aber nicht zu einem in sich über seine ganze Laufzeit unterhaltsamen Film. Es sei denn, man hat mehr Spaß daran, permanent Querverweise zu entdecken, zu diskutieren und sich dafür selbst auf die Schulter zu klopfen als daran, einen Film als Unterhaltung zu genießen. Dass es Tarantino bei seinen jüngeren Werken mehr um eine solche außerfilmische Ebene als um den Film selbst ging, dürfte klar sein (und da sitzt dann die beliebte Schmähung "pseudo-intellektuell" endlich mal). Gut, Miike hat das Spiel mit dem Betrachter, mit der Wahrnehmung durch den Rezipienten und dessen Rolle, auch längst schon zum Teil vieler seiner Konstrukte gemacht. Aber bis dato hatte er, soweit ich das überblicken kann, den Film selbst darüber nicht vernachlässigt. Hier ist das aber leider der Fall. Denn an filmischen Ideen bietet "Sukiyaki" einfach viel zu wenig: die grotesk anmutende Ausgangsidee, einen klassischen Italo-Western ausschließlich mit Japanern zu besetzen, die auch noch alle ausschließlich (gebrochenes) Englisch sprechen und in einer Landschaft herumlaufen, die Japan mit dem "Wilden Westen" kreuzt, ist zwar schön schräg und sorgt erst mal für einiges Schmunzeln. Aber wie das mit albernen Witzen nun mal so ist: irgendwann sind sie einfach durch, und da muss dann schon noch was kommen... die absurde Idee muss gefüllt und weiter vorangetrieben werden... aber das passiert hier leider nicht. Wir bekommen ein paar mehr oder minder bescheuerte Charaktere serviert, ein wenig Slapstick, ein paar Shoot-Outs, zwischendurch einen peinlichen Homosexuellen-Witz... und das war’s auch schon. Kann sein, dass das Western-Freunden in Verbindung mit der konventionellen Story reicht. Mir war jene deutlich zu lahm inszeniert - und um als abseitiger Film zu funktionieren, war "Sukiyaki" wiederum viel zu brav. Für einen spannungsvollen Film viel zu wenig Adrenalin, für eine Groteske viel zu wenig schräge Ideen, für ein "postmodernes" Machwerk - das dem Betrachter neue Deutungsebenen öffnet oder ihn sonst wie zur Auseinandersetzung mit dem Gesehenen zwingt - viel zu belanglos und letztendlich doch nur eins: trashig. Aber ohne dazu zu stehen, sondern bemüht clever. Das kann ich nicht ausstehen, und vor allem habe ich mich hier auch schlichtweg erschreckend oft gelangweilt. Aber na ja - ich mag keine Western. Genrefreunde sollten darauf also nicht allzu viel geben: wer rauchende Colts und harte Reitersmänner mag und nur auf eine Spritze kreativen Inputs hofft, wer die immer gleiche Geschichte in einem anderen Umfeld und mit reichlich andersartigen Figuren neu erzählt bekommen möchte, könnte mit dem Ganzen wohl zufrieden sein. Dem nur selten aufkommenden Lachen nach zu urteilen, waren das in Frankfurt allerdings nicht zu viele Leute. Für mich der schwächste Film der Nights und nur 3,5 Punkte wert.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.03.2008, 04:16



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