Saccharine

Aschenb(r)echer

von Leimbacher-Mario
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Wäre ein David Cronenberg dreißig Jahre später geboren, hätte ich mir gut vorstellen können, dass ein Film wie „Saccharine“ von ihm kommen könnte. Oder eben nun von seinem Sohn. In dem eklig-erogenen (Dead-)Bodyhorror folgen wir jedenfalls einer verzweifelten, übergewichtigen Medizinstudentin, die durch das Verzehren von menschlicher Asche gefährliche und unnatürliche Abnehmerfolge erzielt…

Du isst ein Teil von mir

„Saccharine“ streckt Kurzfilmmaterial auf deutlich zu lange 112 Minuten - und darf sich bei seiner starken Hauptdarstellerin, etwas Ekelfaktor mit einzigartigen Pillen und einer (zumindest bis zum etwas verräterischen Schluss) klaren Position zum Magerwahn der aktuellen Zeit bedanken, dass er nicht in sich zusammenfällt und total langweilt. Ein paar echt creepy Momente in Spiegeln obendrauf, die nur etwas zu oft wiederholt und zu wenig variiert werden. Alles absolut nichts für „Kau- und Schmatzempfindliche“. Fertig ist die feminine Pillengaudi über Körperbewusstsein, Depressionen und Magersucht. Gesellschaftskritisch, systemkritisch, wirtschaftskritisch. Nie super bissig, aber auch kein filmischer Magerquark oder Veggie. Er hat eben nur keinen Grund so langzugehen.

NO!zempic

Fazit: „Thinner“ meets „Raw“ meets „It Follows“ meets „Mirrors“?! Vor diesem Film braucht man keine Bauchschmerzen haben! Einen echten Leckerbissen oder eine vollwertige Mahlzeit würde ich das aber auch nicht nennen… Ich finde das Ende unterwandert gehörig seine Botschaft und Vibes. Trotzdem ganz nett. Geistreiche Konvexionsgrößen.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

18.04.2026, 01:58


Eat for two

von Herr_Kees
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Medizinstudentin Hana hat schon alles probiert, um Gewicht zu verlieren. Erst die „Grey“ Pillen, die ihr eine ehemalige Schulfreundin empfiehlt, bringen den Durchbruch. Doch die Schlankmacher sind für Hana leider unbezahlbar. Also analysiert sie sie kurzerhand und findet heraus: „Grey“ ist Menschenasche! Da Hana in der Obduktion gerade einen Präparierkurs belegt, sitzt sie quasi an der Quelle. Allerdings hat die selbstgemachte Superpille unerwünschte Nebenwirkungen und Hana wird von der unfreiwilligen Spenderin heimgesucht.

Ein weiterer Selbstoptimierungshorror in der Linie von THE SUBSTANCE, GRAFTED, SHELL, SLANTED und THE BEAUTY, diesmal von Natalie Erika James, die sich in RELIC schon eindrucksvoll mit den Themen Alter und Demenz auseinandergesetzt hat. Doch SACCHARINE funktioniert leider auf mehreren Ebenen nicht.

Zum einen ist von Anfang an ersichtlich, dass Schauspielerin Midori Francis unter Makeup und Fatsuit steckt, hier hat sich offenbar seit der Stephen King-Verfilmung THINNER wenig getan. Allerdings ist sie auch richtiggehend zu bemitleiden, geht man davon aus, dass für ihre Fressorgien immer mehr als ein Take nötig war.

Zum zweiten werden die Botschaften hier eindeutig zu dick aufgetragen, die Handlung ausführlich ausbuchstabiert. Man ist als Zuschauer immer schon ein gutes Stück weiter als der Film, was schnell zur Langeweile führt. Visuell ist der Film bisweilen sehr gelungen, wenn Hana beispielsweise in der Leiche wühlt wie in einem riesigen Tortenstück oder sich klebrig-süßer Honig in Superzeitlupe über ihre Unterlagen ergießt. Der knallbunte Bonbon-Stil ist hier – bewusst oder unbewusst – sichtbar an den Look von THE SUBSTANCE angelehnt, ein Grund, auch bis zum Abspann zu bleiben. Doch dann verliert sich der Film auch immer wieder in seinen Bildmetaphern – und damit den Zuschauer.

Zum dritten wird die Idee, dass Hana von der „dicken Bertha“ gestalkt wird, völlig überstrapaziert. Hana scheint zunächst kaum verängstigt, als sie die fettleibige Leiche das erste Mal in einem konkaven (!) Spiegel erblickt. So nutzt James die Heimsuchung fast ausschließlich als Symbol für Hanas Fresssucht und nicht als Horrormotiv.

Das alles macht SACCHARINE zu einem „Message“-Movie, der es über seine Botschaft hinaus leider nicht schafft, zu fesseln oder zu unterhalten.
Herr_Kees
sah diesen Film im das Metropol, Stuttgart

26.04.2026, 23:43




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cthulhu314
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