Sicko

Was bist'n du für'n … SICKO!?

von Leimbacher-Mario
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Das kasachische Genrekino lässt momentan einige sehenswerte und bitterböse Blüten auf die Menschheit los. Wie beispielsweise „Auru“ aka „Sicko“, in dem ein Ehemann plötzlich mit seiner „todkranken“ Frau zur Internetsensation wird, was in dem neuen „Influencerpärchen“ ganz geldgeile Facetten anheizt, neue seelische (Fall-)Türen öffnet und brutale Fallstricke dreht, in dieser abartigen, oberflächlichen Welt der Likes und falschen Smiles…

Sick of my Kasachstan

Nachdem mir z. B. „Steppenwolf“ vor zwei Jahren schon bitterböse (positiv) den Boden unter den Füßen weggezogen hat, tritt einem nun „Sicko“ aber nochmal ganz anders durch den Rücken in die Eier. „Sicko“ trägt seinen Namen zurecht! Eine abgründige Beziehungskiste voller Glasscherben, Spritzen, Tiefschlägen und toxischster Ehe. Eine gesellschaftskritische Ballade der Brutalitäten. Während ich mittendrin das alles zwar auch schon düster fand, dachte ich manchmal noch: „Das können auch andere westeuropäische Länder remaken. Selbst Deutschland. Solche modernen Betrüger gibt’s überall.“ Aber spätestens wenn dann das letzte Drittel beginnt, dann wird's dermaßen böse, biestig und brutal, dass das im Grunde aktuell so nur in Kasachstan möglich scheint. Ein Stilwechsel. Ein Balancecheck. Ein Abstieg ins tiefste Dunkel. Ein Influencerbeben. Ein Skeptischmacher. Ein Lachen, das dir im Hals stecken bleibt. Ein Komiker, der dir in den Drink pisst. Ein Ehemann, der dir nicht gut tut. Ein Ende mit Schrecken und ein Schrecken ohne Ende. Ein Schluss, der rigoros schmerzt. Ein Kasachstan, in das man nicht reisen möchte. Ein Film, der mir richtig gut gefallen und richtig schön wehgetan hat!

Be Careful Who You Fuck With

Fazit: Ein weiteres filmisches Biest aus Kasachstan. Was als beschauliche, pechschwarze Gesellschaftssatire beginnt, endet ungefähr eine Meile nach dem Mittelpunkt der Hölle… Ein gut getarntes Terrorfilmchen!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

16.09.2026, 01:41


The Ballad of Aza and Tencho

von Herr_Kees
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Durch ein dummes Missverständnis denkt Azamats Mutter, seine Ehefrau Tencho sei an Krebs erkrankt. Als das hoch verschuldete Paar mitbekommt, wie großzügig die Anteilnahme in ihrer Familie ist, beschließen sie (beziehungsweise: vor allem Azamat), die Sache nicht aufzuklären, sondern aufzublasen – mit Crowdfunding. Ihre herzzerreißende Geschichte macht bald Schlagzeilen, die gefälschten Unterlagen besorgt ein befreundeter Arzt. Allerdings wird die Story bald so groß, dass Aza sie nicht mehr unter Kontrolle hat. Und die Vertuschung wird einige Opfer kosten.

Dass diese Sache nicht gut ausgehen kann, ist von Anfang an klar. Aza ist ein Assi und wird einem im Lauf des Films nicht sympathischer. Als das Paar es irgendwann mit zwei anderen gewalttätigen Betrügern zu tun hat, weiß man nicht, auf wessen Seite man stehen soll. Das sorgt rasch für ein sehr distanziertes Verhältnis zum Film. Vielleicht muss man Kasache sein, um mit Aza und Tencho mitzufiebern, bei all der unbeherrschten Aggressivität, bei Sozialbetrug und Gewalt gegen Frauen. Wenn der Film sich zum Ende hin in Sachen Brutalität steigert, lässt einen das jedenfalls erstaunlich kalt. Sollen sie doch alle bekommen, was sie verdienen! Eigentlich eine Schande, dass ein solch moralisch verwerfliches Handeln nicht emotional involvierender umgesetzt wurde.
Herr_Kees
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart

16.09.2026, 12:44




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