crazy

Silence

Vampirismus als Gegengift

von Leimbacher-Mario
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In dieser dreiteiligen Miniserie - mit Betonung auf "Mini", da die drei Episoden zusammen gerade mal auf etwas unter eine Stunde Laufzeit kommen! - folgen wir einer Gruppe Vampirinnen durch die Jahrhunderte - und somit durch menschliche Pandemien, Kriege und andere Krankheiten, die auch die Existenz der Vampire bedrohen...

Ja ist denn schon Karneval?!

Eduardo Casanova hat schon ein paar skurrile und weirde Genrefilme abgeliefert - mit dieser künstlichen "Miniserie" schießt er für meinen Geschmack aber deutlich über's Ziel hinaus. Beziehungsweise bin ich mir hier gar nicht sicher, ob er überhaupt ein Ziel samt klarer Vision hatte... Ich mag hier das Vampir-Makeup, das mich etwas an "Hexen hexen" erinnert. Und trotz der vielen Pastellfarben ist der Humor tiefschwarz. Außerdem sind die Themen in einem bisher am ehesten pandemiegeprägten Jahrzehnt wie diesem nicht uninteressant oder dumm, die Zeitsprünge geben immerhin Abwechslung. Und trotzdem ist das eine kack "Serie", pardon my french, ich kann's nicht anders sagen. Philosophisch abgehoben, gesellschaftlich verblendet, spannungstechnisch arm, charakterlich schwach, stilistisch redundant, überraschend blutleer. Drei Episoden Verschwendung von Lebenssaft und Lebenszeit. Zwischen Manifest und Kunstinstallation. Von enorm niedrigem Unterhaltungswert. Nervtötend. Ziellos. Grell. Jess Franco dreht sich im Grab.

Was wir in den pastellfarbenen Schatten machen

Fazit: Top Ausstattung, nette Denkanstöße, kurze Laufzeit, pfeilschnelle Dialoge, bizarre Atmosphäre, unberechenbare Stilwechsel... Trotzdem eine sehr artifizielle, selbstverliebte und für mich schlicht nervige "Serie".
Leimbacher-Mario

10.03.2026, 15:06


Arthouse-Vampire

von D.S.
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Mit SILENCIO von Eduardo Casanova (LA PIETÁ, FFF 2022) wird denjenigen ein Leckerbissen kredenzt, die ihre Vampir-Kost lieber kopf- als lebenssaftlastig haben: Es handelt sich hier um eine dreiteilige Miniserie mit zugegebenermaßen großartigen Make-up-Effekten, die sich um das Leben und Leiden einer Sippe von Blutsaugerinnen dreht. Von der Pest im 14. Jahrhundert über die AIDS-Krise der 1980er bis ins Jahr 2030 geht es um Liebe, (Un-)Glück und Vorurteile. Meist sehr tragisch, zwischendurch – insbesondere in Episode 2 – jedoch stark an eine exaltierte Pastell-Version von WHAT WE DO IN THE SHADOWS erinnernd.

Von dieser Ausnahme einmal abgesehen, ist das Ganze allerdings nur mäßig unterhaltsam. Ob das dargestellte Drama dem Betrachter zu Herzen geht, hängt vermutlich von individuellen Prädispositionen ab. Augenscheinlich ging es dem Macher hier aber ohnehin mehr um eine politische Aussage als um ein fesselndes Filmerlebnis: Im Zentrum des Geschehens steht überdeutlich der bekannte Slogan „Silence equals Death“.

Das Anliegen ist natürlich unterstützenswert. Der Film leider eher interessant als mitreißend. 5 von 10 Punkten.
D.S.

21.03.2026, 18:00


Verborrea

von Herr_Kees
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Im Jahr 2025 machte Eduardo Casanova seine HIV-Infektion öffentlich. Dass dies zeitgleich zur Veröffentlichung seiner Aids-Vampir-Miniserie geschieht, kann bei Casanova als integrales Kunstwerk gedeutet werden. Wobei es sich bei den drei rund 20-minütigen Episoden eher um einen zu lang geratenen Kurzfilm handelt. Aber was kümmern einen Künstler schon klassische Formate.

Was passiert also in SILENCIO?

In der ersten Episode diskutieren ein paar Vampirinnen, die aussehen wie riesige rasierte Ratten, über die richtige Überlebensstrategie in den Zeiten der Pest, als ihnen die Menschen und damit ihre Lebensgrundlagen langsam wegsterben. Und sie tun das in einem solchen Tempo, dass eine von ihnen schließlich ausspricht, was die Zuschauenden denken: „You guys talk so fast I get lost“.

Die zweite Episode eröffnet das Vampirquartett mit einem schrillen Musikvideo, darauf folgt eine lange Diskussion zwischen Mutter Vampir und der (halb menschlichen) Tochter Vampir über die Menschen, die von einer Aids-Demo unterbrochen wird: „Silence equals Death“.

Die finale Episode startet mit einem blutigen Lesbencunnilingus – gefolgt von einer langen Diskussion der beiden Liebenden, die Vampirtochter und eine Drogenabhängige: „We are all like our mothers“.

SILENCIO ist weniger stylish als Casanovas bisherige Arbeiten, sieht schmuddeliger und billiger aus, was in Anbetracht des Themas durchaus Absicht sein kann. Leider ist die „Serie“ auch deutlich weniger bildgewaltig und dafür deutlich geschwätziger als seine vorigen Filme. Hier scheint das Werk vor allem in den Dienst der Botschaft gestellt zu sein, nur welche das ist (außer der HIV-Message „undetectable = untransmittable“), weiß allein der Künstler (wenn überhaupt), bzw. muss sie wohl einfach von interpretationswilligen Feuilletonisten „erschlossen“ werden.

Das ist schade, zeichneten sich Casanovas frühere Werke doch neben dem konsequenten Stilwillen auch durch ihre Verspieltheit und ihre Freude an der Grenzüberschreitung aus. Davon ist hier wenig bis gar nichts mehr zu spüren.
Herr_Kees

27.03.2026, 17:17




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