crazy

Soft & Quiet

Review

von PinkyHH
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Dieser Film ist ein bisschen wie ein Autounfall, den man aus der Ferne betrachtet. Eigentlich will man wegschauen, aber irgendwie will man es dann doch sehen – aus Gründen, die sich nicht immer rational erklären lassen.

Ohne zu viel zu verraten, rationale Erklärungen darf man von diesem Film auf keinen Fall erwarten. Der Zuschauer wird Zeuge eines kontinuierlichen Zeitabschnitts, der durchaus interessant beginnt und Neugier weckt. Die Phase, in der die Charaktere vorgestellt werden, bietet viel Potential, um eine gute Geschichte zu entwickeln.

Die Situation spitzt sich dann dramatisch zu. Kleine Bröckchen an Hintergrundgeschichte werden präsentiert. Auch wenn gruppendynamische Prozesse ein dramatisches Eigenleben entwickeln können – wie z. B. im Film PLAYGROUND (2016), der auch auf dem FFF lief – so driftet mir dieser Film doch zu sehr in die Unglaubwürdigkeit ab. Es steigert sich alles in wildes Geschreie und irrationale Handlungen. Zwischendurch kam mir der Gedanke, in einer RTL2 Doku gelandet zu sein, wo sich Scripted-Reality-Amateure mal so richtig austoben durften.

Am Ende wird der Zuschauer zurückgelassen – alles bleibt ohne Konsequenzen. Der Film ist weder „soft“ noch „“quiet“. Fazit: Lieber PLAYGROUND gucken – der ist viel besser!
PinkyHH

12.01.2023, 11:37


Toxische Weiblichkeit

von Herr_Kees
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Die Grundschullehrerin Emily hat ein paar Frauen zum Kaffeekränzchen ins Gemeindehaus eingeladen. Alles scheint erwartbar spießig – bis Emily einen Cherry Pie mit prominent eingeritztem Hakenkreuz serviert.

Der sarkastisch betitelte SOFT & QUIET ist ein höchst problematisches Werk. Wie in anderthalb Stunden Echtzeitfilm aus einem Frauenkreis eine „Arian Unity“ wird, auf Beschwerden und Hasstiraden Taten folgen und ein Prank zum Hatecrime führt, das stößt mehrfach an die Grenzen der Glaubwürdigkeit – auch wenn die Story filmisch wirklich fesselnd erzählt wird.

Zudem bezieht der Film einen Großteil seiner Wirkung aus der Tatsache, dass die Täter ausschließlich Frauen sind. Regisseurin und Autorin Beth de Araújo dreht hier die Genrekonventionen einfach um: Die einzigen beiden männlichen Figuren – der Pfarrer und der Ehemann – stellen sich den Protagonistinnen entgegen, handeln jedoch zu inkonsequent, um Schlimmeres zu verhindern.

Andererseits hätte man mit einer männlichen Besetzung hier einen ganz gewöhnlichen, x-beliebigen Rassismus-Gewaltthriller vor sich. Und ob dieser „Twist“ schon für einen guten Film ausreicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Herr_Kees

19.01.2023, 14:46




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Ken Kral
Timo
XhellbroX
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