Auf gewisse Weise die Realitätvon Edwinita | Permalink |
Irgendwie fühlte ich mich an die Szene aus "Goyas Geister" erinnert, als der Vater von Natalie Portman sie an der Tür der Kirche abliefert, damit sie sich dem Gericht der Inquisition stellen "darf". Was sie dann trifft, ist die Hölle auf Erden. Hier liefert ein stolzer Vater seine Tochter, nach bestandenem Studium (sie ist die erste Ärztin in der Familie), an der Tür des Krankenhauses ab, wo die Hölle auf Erden wartet. Vom ersten Tag an, wird sie getriezt, ausgebeutet, an den Rand der Erschöpfung getrieben. Das Umfeld kann nicht menschenverachtender sein. Doch sie wird "ganzheitlich" reagieren. Das Ende schließt dann wieder den Kreis zur Inquisition. Der Film nimmt einen nicht nur von der ersten Minute an die Hand, er reißt einem mit seinen Farben, Tempo, Sound, Bildsprache, guten Effekten fast den Arm ab, und feuert einem das Bild einer Gesellschaft ins Gesicht, die ihre Mitmenschen verheizt. Sehr gelungen! | |
10.09.2026, 12:35 | |
Stress essen Seele aufvon Leimbacher-Mario | Permalink |
Einen weiteren wuchtig-weiblichen Bodyhorrorangriff auf die Sinne aus Frankreich und ein massives Einsetzen für eine fairere, gesündere Arbeitswelt der Jugend und für kommende Generationen erleben wir mit „Sanguine“ aka „Species“, in dem eine neue Krankheit umgeht, die Stress mehr denn je auf körperliche Exzesse und Ekzeme überträgt – und das nur bei jungen Leuten… Aggressive Anatomie „Sanguine“ reiht sich leicht irgendwo hinter „The Substance“, „Raw“ oder „Titane“ ein, wenn er vor allem eine angehende Ärztin in dem Berufsdruck auf- sowie kaputtgehen lässt. Toll und mutig und zerstörerisch gespielt von unserer Hauptdarstellerin. Mit einigen echt schmerzhaften Hautmomenten. Wer da je mal Ausschläge, Akne und Co. jeglicher Art hatte, wird einiges wiedererkennen. Und vielleicht auch Schmerzen, seelische wie körperliche, noch besser einordnen können. Aber vor allem geht’s natürlich um Druck, Stress und Angst. Und das wird (leider) heutzutage in dieser schnelllebigen und fiesen Leistungsgesellschaft fast jeder nachvollziehen können. „Sanguine“ nimmt ganz klar Stellung, dass es so kaum weitergehen kann oder sollte. Schärfer die Ellenbogen für Entschleunigung, mehr Freundlichkeit, Verständnis und Stresssensibilisierung ausfahren kann man kaum. Und das ist natürlich großartig und unterstützenswert! Selbst wenn der Film hintenraus bzw. auch zwischendurch ruhig noch mehr explodieren und eskalieren könnte. Gerade wenn man viel Bodyhorror guckt, hat man fast alles so auch schon mal gesehen. Aber Anspannung und Puls sind durchgehend pulsierend am Start. Und um die Figuren bangt man auch genug mit. Daher ist „Sanguine“ ein empfehlenswerter Vertreter seiner Art und … Spezies. Ausschlag vor der Herrin Fazit: Feines, aggressives, feminines und rabiates Bodyhorrorsplittetbömbchen aus Frankreich… Ist ja keine Seltenheit mehr. Trotzdem noch immer kein altes oder unwichtiges Eisen. Alles andere als das. „Sanguine“ reiht sich in eine jetzt schon thematisch, körperlich, schleimig und atmosphärisch legendäre Reihe und Ära jedenfalls ganz gut ein! | |
sah diesen Film im Residenz, Köln | 13.09.2026, 01:13 |
Arbeiten bis zum Burnoutvon Herr_Kees | Permalink |
Die junge Ärztin Margot wird in der Notaufnahme von ihrer Chefin ganz schön rangenommen. Und dann holt die sich auch noch eine seltsame Krankheit, die starke Blutungen und eine unschöne Veränderung der Haut zur Folge hat. Das darf natürlich niemand erfahren, sonst würde sie womöglich ihre Stelle verlieren. Bei ihrer geheimen Recherche stößt sie auf ähnliche Fälle, die dummerweise alle in Gewalttätigkeit und/oder Tod endeten. Das Regiedebut von Marion Le Coroller ist irgendwo zwischen der treibenden Krankenhaushektik von HELDIN, der schrillen Plakativität von THE SUBSTANCE und dem femininen Bodyhorror von RAW angesiedelt. Der Film fährt jedoch genügend eigene interessante Ideen auf, sodass man lange nicht weiß, wo das Ganze hinführt. Die Entwicklung, die uns die letzten Bilder präsentieren, hätte man dann auch tatsächlich gerne noch etwas detaillierter erkundet. Das platte Brutalofinale hätte der Film hingegen gar nicht nötig gehabt. Ein paar Abstriche (sic) muss man auch beim Bodyhorror machen – die entsprechenden Szenen tun meist nicht wirklich weh, zu abstrus sind die Situationen und zu künstlich/künstlerisch ist das Geschehen inszeniert. Eine echte Ärztin würde wohl den eigenen Körper kaum so "behandeln". Von solchen Details abgesehen bietet SANGUINE allerdings anregende, intelligente und kurzweilige Horrorunterhaltung, gut gespielt und inszeniert. Empfehlung! | |
sah diesen Film im Gloria 2, Stuttgart | 13.09.2026, 11:11 |
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