Ick wer zun Schwein!von Lovecraft | Permalink |
Ein Muß für die Klappstuhlfraktion! Und nach "Primer" der nächste spröde Mindfuck aus der Schmiede von Shane Carruth - der sich aus meiner Sicht doch aber ausschließlich hinter der Kamera aufhalten sollte. Anfangs kann man der surrealen Storys um Wurminfizierungen, dringend benötigte Paartherapien und Borstentiere noch einigermaßen folgen - spätestens nach 20 Minuten rutscht man jedoch nervös und nägelkauend auf dem Kinositz umher; mein Sitznachbar ist gar weggedämmert. Ein filmischer "Genuß" hat sich bei mir allein aufgrund der arg unterkühlten Bildsprache nicht einstellen wollen. Um Vinnie Jones zu zitieren: "What’s your function in life?" Und doch, völlig ohne Interesse ist das Geschehen auf der Leinwand nicht, wohl auch dank der sympathischen Hauptdarstellerin. Wer ein Faible für ruhige Arthousepuzzles hat: Schwein gehabt! | |
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin | 23.08.2013, 10:04 |
Wenn ich groß bin, möchte ich mal ein echter Film werdenvon Rostnagel | Permalink |
Grundgütiger, was war denn das? Da geht man in der Erwartung ins Kino einen echten Film zu sehen und dann bekommt man stattdessen eine Aneinanderreihung von Szenen gänzlich ohne thematischen Überbau? Darum geht es in Upstream Color: um Maden und Würmer, Geräusche, die hoch und tief zugleich sind, Schweine, Verbrechen, Steine, Bücher und Blätter - um nur ein paar der Bestandteile zu nennen. Wer sich jetzt stirnrunzelnd fragt, was das Ganze soll, dem geht es ähnlich wie mir. Während der gefühlten vier Stunden Laufzeit geschieht kaum etwas, was auch nur im Ansatz eine Struktur, geschweige denn eine nachvollziehbare Geschichte darstellen könnte. Dadurch zieht sich der gesamte Film wie ein einziger Kaugummi und man wünscht den Protagonisten insgeheim einen schnellen Tod, damit man diesen Schmarrn nicht länger ertragen muss. Für mich ganz klar DER Anwärter für den Gurkenkönig des Festivals. | |
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin | 23.08.2013, 11:19 |
Für Kunst geh ich lieber ins Museumvon kao | Permalink |
Eigentlich mag ich ja Filme mit Tiefgang, wo der Zuschauer mal die grauen Zellen aktivieren und seinen Grips anstrengen muss. Löblich, dass die FFF-Crew immer wieder versucht, das Programm mit so etwas anzureichern. Upstream Color fällt sicherlich in diese Kategorie und ist zweifellos auch kein schlechter Film. Er gehört aber meiner Meinung nach trotz seiner phantastischen Elemente nicht ins FFF.
Es gibt grundsätzlich keinerlei Erklärungen - wer die ganzen Personen sind, warum sie tun was sie tun, oder was das Ganze eigentlich soll. Dazu eine eigenwillige moderne (?) Kameraführung und fragmentarische Erzählweise. Upstream Color bietet keine passive Unterhaltung, sondern *zwingt* den Zuschauer zur Auseinandersetzung - und funktioniert damit ausschließlich als Kunstwerk.
Folglich bedarf es zwingend einer Interpretation, um dem Gesehenen überhaupt einen Sinn zu verleihen. Hmm, wie gehen wir da mal ran... Vielleicht biografisch - Arbeitet der Autor hier möglicherweise eine Drogen-Entzugskur auf, mit Selbstfindung auf der Bio-Farm? Vielleicht theologisch - Verführung, Erlösung, Sündenfall? Vielleicht doch lieber philosophisch - die Frage nach Wirklichkeit, Emanzipation des Ich, womöglich sogar der Sieg des menschlichen Verstandes über Gott? Der Tanz ist eröffnet. Aber so sehr hat mir der Film nun doch nicht gefallen, als dass ich mich damit länger herumschlagen wollte.
Fazit: Vorsicht Kunst! Wem das gefällt, viel Spaß! | |
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin | 25.08.2013, 00:57 |
Psychedelisch?von landscape | Permalink |
Meine Zusammenfassung fällt ganz anders aus:
Der Score setzt sich aus elektronisch verfremdeten Alltagsgeräuschen zusammen, die einen eher ruhigen Klangteppich schaffen. "The Sampler" ist einer der zentralen Charaktere, er sammelt die Geräusche.
Die von Maden Infizierten versuchen, ihr Leben wieder zusammenzusetzen und erkennen untereinander ähnliche Muster, haben verbindende Erinnerungen und Verhaltensweisen.
Dieser Film versucht, alles ohne Sprache zu erzählen, hat deshalb auch viele Unschärfen, die man selbst für sich ausfüllen muss.
Also ein experimenteller Film mit elektronischer Musik.
Ich bin froh, danach keinen anderen Film angesehen zu haben, denn er wirkt nach, ich werde mich an diesen noch länger erinnern.
(Auch wenn Shane Carruth über bemerkenswert wenig Mimik und Ausstrahlung verfügt...)
Wer nach dem ersten Sehen mehr wissen will, kann einen ausführlichen Artikel auf salon.com finden. Sehr gut auch: http://cinapse.co/2013/05/23/upstream-color-interview-with-andrew-sensenig-the-sampler/ | |
sah diesen Film im Cinemaxx 6, Hamburg | 25.08.2013, 02:10 |
Reviewvon Umelbumel | Permalink |
Haha. Die Reaktionen waren weltklasse. Nach der Vorstellung klatschte die eine Hälfte ganz wild und von den anderen hörte man nur ein "was für ein Scheiß". Und ich kann beide Seiten absolut verstehen. Upstream Color ist ein wildes, mitreißendes, abgefucktes und lautes Kinoerlebnis, das man in dieser Form nur selten zu Gesicht bekommt. Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise voller verwirrender Bilder, die er ganz allein einzuordnen und zu bewerten hat. Und ob man das möchte, bleibt jedem selbst überlassen, aber wenn man sich auf den Film einlässt, bin ich mir sicher, dass man mit Upstream Color seine helle Freude haben kann. Und ganz egal, ob man den Film hasst oder liebt, man sollte sich nicht die Chance entgehen lassen, ihn auf der großen Leinwand zu sehen. Defintiv ein must-see des diesjährigen Festivals! | |
sah diesen Film im Cinemaxx 6, Hamburg | 25.08.2013, 02:20 |
"Requiem for a Dream" meets Michael Hanekevon Alexander | Permalink |
Wer mehr als einen Michael Haneke-Film gesehen (ich meine ZU ENDE gesehen!) hat, könnte auch Gefallen an „Upstream Color" finden. Die etwas spröde, unbequeme, vor allem aber ungewöhnliche Erzählstruktur, die permanent die Wünsche und Hoffnungen des geneigten Zuschauers unterwandert, endlich mal eine Lösung für die verrätselte, verschachtelte Handlung parat zu halten, machte mir insofern Spaß, als das man hier zwar zum Nachdenken angeregt wird, die Schlussfolgerungen aber vage bleiben müssen, weil immer wieder neue Elemente in den Rätseltopf geschmissen werden, ohne eine wirklich Auflösung des Gemenges zu präsentieren. Auch mochte ich die Hauptdarstellerin und den wirklich tragischen roten Faden, der sich durch das Geschwurbel zieht, sich aber häufig im Nebel von Kunst-Bild und -Geräusch wieder verliert. Eine Art „Requiem for a Dream" für die Kunstfilmfraktion, der Requiem immer noch nicht unkommerziell genug gewesen ist. Ein unbequemes, negatives, ja fast in sich selbst invertiertes Geschichtchen, das zu verwirren weiss. Mir hat’s trotzdem gefallen, denn es ist Kunst fürs Hirn und auf jeden Fall spannend. | |
26.08.2013, 21:44 | |
Unsere kleine Farmvon Herr_Kees | Permalink |
Wie auch schon in PRIMER entsteht die Spannung in Carruths Filmen durch Auslassen von Bildern und Informationen. Das Kino im Kopf wird dabei von der Leinwand herunter illustriert mit ausgefallenen Visuals, ungewöhnlichen Einstellungen und hypnotischen Sounds.
Sowie die Zusammenhänge klarer werden, lässt das Interesse allerdings nach - was hier leider im letzten Drittel der Fall ist. Dennoch: anspruchsvolle, andersartige und exquisit umgesetzte Unterhaltung. | |
sah diesen Film im Metropol 2, Stuttgart | 31.08.2013, 02:11 |
Trink den Arthouse-Kool Aid!von Leimbacher-Mario | Permalink |
"Primer" war nicht nur für uns Zuschauer eine harte, kalte, theoretische Nuss zu knacken, auch für Regisseur Shane Carruth war ein Folgewerk sicher eine sehr persönliche Mammutaufgabe mit diversen Erwartungen, Hindernissen und Hürden. Daher ließ er sich für "Upstream Color" einige Jährchen Zeit, fast ein Jahrzehnt um genau zu sein - und lieferte eventuell einen noch unzugänglicheren, experimentelleren und komplexeren Film ab, bei dem schon die Handlung wiederzugeben eine echte Herausforderung ist... "Upstream Color" ist Drogentrip, Lebensrausch und Geisteslabyrinth, wenn zwei scheinbar mit einer Art "Madendroge" verwirrte, vernetzte Menschen versuchen Antworten auf Fragen zu finden, bei denen es gar keinen richtigen Adressaten, Antagonisten oder Aufhänger zu geben scheint... Das macht mir niemand madig! Fühlen statt verstehen. Das schreiben sich Filme wie "Upstream Color" gerne auf ihre wehenden Fahnen. Aber klappt das hier? Die Antwort darauf ist sicher höchst individuell und persönlich. Und ich befinde mich irgendwie mittig in seiner Rezeption. Ich finde ihn wesentlich wärmer und menschelnder als "Primer", hatte dadurch schon irgendwie mehr "Zugang". Dazu ist das audiovisuell echt famos. Es gibt immer etwas zu sehen, zu fühlen, zusammenzusetzen. Wie ein Puzzle, wie ein vierdimensionales Labyrinth, wie ein Netzwerk aus flirrenden Gefühlen. Lost but not found. Verbindungen, Verblendungen, Verkettungen. Sphärisch statt generisch. Interessant statt rasant. Wirr und verwoben. Carruth hat definitiv eine eigene Stimme, selbst wenn man natürlich hier und da an Malick, Glazer oder Cronenberg denken muss. Mehr Fragen als Antworten. Beweglich wie Wasser. Schlängelnd wie Maden. Horizont erweiternd wie LSD. Einbildung ist auch 'ne Bildung. Philosophisch, grübelnd, komisch. Ein Gefühl des Kontrollverlustes. Ein Gefühl der Einsamkeit. Ein Gefühl im falschen Film zu sein. Ein Gefühl falsch abgebogen zu sein. Oder abgebogen worden zu sein. Stein auf Stein, trotzdem bröckelnd und fragil. Menschliche Seele aus dem 4D-Drucker. Ein Walkout-Provozierer. Schwingungen, Schwellungen, Schwindsucht. Die Feile des Lebens. Ich glaub' mein Schwein pfeift! Fazit: Genauso experimentelles wie faszinierendes Panoptikum der Gefühle, Fragen und Mysterien. Manchmal vielleicht einen deutlichen Schritt zu weit out there. Die meiste Zeit für mich aber doch irgendwie fesselnd genug. Was sehe ich und warum?! Wohin führt das und hat das überhaupt einen Anfang geschweige denn ein Ziel?! | |
28.05.2026, 15:09 | |
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