crazy

Whistle

They (didn't) blew it!

von Leimbacher-Mario
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Wenn eine alte, verfluchte, mythisch-mexikanische (?) "Pfeife" einen tödlichen Fluch auf ein paar amerikanische Highschooler legt, könnte das auf dem Papier kaum platter, mainstreamiger und blumhousiger anmuten, mittlerweile ganz eindeutig eher im schlechten Sinne belegt. Aber "Whistle" überrascht positiv, macht Spaß, hat es in sich und bringt ziemlich konsequent "simplere" Horrorzeiten zurück...

Sicher kein Klassiker - aber ein kleiner, teuflischer Spaß!

Wie eine ausgedehnte, moderne "Tales From the Crypt"-Episode, werden hier neuere und altmodischere Sensibilitäten vereint - was einen recht ansprechenden supernatural Teenie Slasher ergibt. Straight und doch augenzwinkernd. Dumm und sehr attraktiv. Blutig und mit Spaß dabei. Wild und ungebremst. "Whistle" hat alle seine Teilchen da, wo sie hingehören. Das könnte ganz locker auch aus einer Zeit mit "The Faculty" oder "Buffy the Vampire Slayer" sein - nur mit einer gesünderen Härte von heute. Genau sowas gucke ich an einem Freitagabend liebend gerne und fluffig weg. Genau sowas muss man aber auch nicht zu sehr über den Klee loben. Moderne Klassiker (wie z. B. "Talk to Me") sehen anders aus. Modernes Horrorfastfood geht aber kaum effizienter. Hübsche Jugendliche, böse Todesarten, ein simpler Fluch, brauchbare Effekte, ein brachiales Tempo, Franchisematerial. Im richtigen Monat vermarktet kann sowas wie "Whistle" locker zum Halloweenhit werden. Aber für uns Horrorfans geht das auch unterjährig immer. Wenn man denn wie gesagt nicht zu viel Anspruch oder Klasse erwartet, sondern einfach eine wild and whacky Horrorshow mit brennenden Quarterbacks und gespitzten Lippen. Gut zu sehen, dass Corin Hardy nach dem "Nonnendesaster" wieder zu mehr Stärke und Mut gefunden hat. Reißt keine Mayastatue aus dem Boden, setzt aber eigene aztekische Akzente. Nicht nur für Schrumpfköpfe.

Wenn das Baby aus "Smile" und "Final Destination" die Trillerpfeife penetriert

Fazit: So gehen Horrorklischees! "Whistle" ist wunderbarer, kurzweiliger, fast schon altmodischer (meaning 90s) Tinnitus für die Horrormainstreamseele!
Leimbacher-Mario

11.03.2026, 20:09


Flachpfeife

von Alexander
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Regisseur Corin Hardy und ich dürften wohl keine Freunde mehr werden. War sein Frühwerk „Hallows“ zumindest noch einigermaßen originell, hätte man bereits auf den spröden „The Nun“ komplett verzichten können, der in seiner unterirdischen Mittelmäßigkeit jetzt aber noch von „Whistle“ sowas von untergraben wird.

Natürlich kann man so einen Film auf dem FFF bringen. Man hätte aber auch genauso gut den Genreabsturz des Jahres, nämlich „Scream 7“, oder irgendeinen anderen generischen „US“ Teenie Horror zeigen können. Wobei das mit dem „US“ im Programmheft recht grotesk anmutet, handelt es sich doch um einen kanadischen Beitrag. Aber dies nur am Rande.

Mit „Whistle“ haben wir mal wieder einen ganz tiefen Griff ins Klo der Klischeegeschichte des Genres. Diese Blaupause eines Möchtegern-Horrors wirkt nicht nur so gar nicht wie aus einem Guss, sondern kommt über die Leinwand geschlichen wie bemühte Versatzstücke längst vergangener Zeiten, die schnitt-technisch planlos aneinandergeklebt wurden, weil der Produzent vielleicht unbedingt sein neues IT-Girl in möglichst vielen Szenen sehen wollte. Aber coole Bodies alleine machen eben noch keinen guten Film. Nicht einmal wenn, wie hier, ein bemühter Soundtrack darunter gelegt wurde.

Der Film leidet, wie auch schon der von mir zuvor erwähnte, neue „Scream“, ganz einfach an einer unfassbaren Geschwätzigkeit, die jeder noch so kleinen, spannenden Szene, einfach sofort die Luft rausnimmt, wie ein Nagel aus einem Fahrradschlauch. Und auch das als Kontrast gesetzte und wie die Kirsche auf Eiscreme platzierte „Gothic“ Girl, mit den so peinlich gewollt herumliegenden Vinylscheiben geiler Off-Bands (die dann aber im Soundtrack leider nie gespielt werden) hilft dem Film über seine FAKE-Attitüde einfach nicht hinweg. Es wirkt einfach alles nur wie gewollt, aber nicht wie gekonnt. Echte Goths wenden sich peinlich betreten nur noch ab und schauen sich danach vielleicht besser noch mal „Haunter“ auf DVD an, um nach dem Mist vielleicht doch noch in den Schlaf finden zu können.

Für mich wirkte „Whistle“ wie die „Mutter“ aller generischen Retorten-Teenie-Horrorfilme, die durchaus ihre Lebensberechtigung haben mögen, wenn sie gut gemacht sind, die wir aber wirklich schon alle tausendmal besser gesehen haben. Und dieser cineastische Laborabfall war eben nicht wirklich gut gemacht.

Vor allem haben wir solche Filme schon SPANNENDER gesehen. Sehr sehr sehr viel spannender. Und 140 Minuten „Horrorfilm“ zu produzieren, ohne auch nur den Hauch einer Spannung zu erzeugen ... das ist irgendwie auch schon eine Kunst. „Whistle“ als „Harmlos“ zu bezeichnen wäre dann auch schon eine Untertreibung. Denn dieser Film haut dich schneller auf die Matratze als Schlaftabletten! Alleine der vollkommen unnötige und herausgelöste Mittelteil des Films zieht sich wie Kaugummi auf Valium.

„Whistle“ ist einfach der totale Murks eines Möchtegern-Horrorfilmregisseurs, der bestimmt jeden Teil von „Final Destination“ hundertmal gesehen, und sich dabei einen drauf runtergeholt hat, der aber nicht im Ansatz die Klasse hat, solche Filme zu drehen, und mögen sie noch so sehr seine Vorbilder sein.

So war für mich „Whistle“ die absolute Zeitverschwendung. Da halfen auch nicht bemühte und irgendwie so gar nicht ins Storyboard passende, kurze Passagen von im Nebel verhangenen Grusel-Mansions, die wirkten wie aus besseren Filmen zusammengeklaut. Selbst der Soundtrack ließ mich enttäuscht zurück, obwohl so großartige Songs wie „Joey“ von „Concrete Blonde“ zum Besten gegeben wurden, einer genialen Band, die für die meisten Zuschauer der anvisierten Zielgruppe aber sowieso weder erkennbar noch im Zusammenhang verständlich sein dürften.

Wenn man beide Augen ganz fest zudrückt, dürfte es okay sein, dem Film noch mal großzügige 4 Punkte zu geben. Aber am Ende des Tages kann man genauso gut auch drauf pfeifen.
Alexander

20.03.2026, 00:08


Horror-Fix aus der Tüte

von PinkyHH
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Man nehme ein Schauspieler Ensemble aus dem Disney Handbuch und verrührt dies mit viel Wasser aus einem Mix aller wichtigen Horror-Film-Aromen der letzten 20 Jahre und fertig: „Whistle“

Es wird bestimmt vielen Leuten schmecken, denn schlecht gemacht ist er nicht und trifft sicher den Massengeschmack. Die Erzählung weist keine langatmigen Stellen auf, die Effekte sind okay, die Dialoge nicht übermäßig peinlich. Da hat man schon viel, viel, viel Schlimmeres gesehen. Auch wenn etwas viel Musik drunter-geschmiert wird, auch die fand ich gut.

Aber es ist eben keine nahrhafte „Filmspeise“, denn alles, was es dort zu sehen gibt, gab es irgendwie und irgendwo auch schon mal woanders. Kleines Plus auf jeden Fall noch für den Auftritt von Nick Frost – auch wenn er nicht allzu lange mitspielen darf. Und beim Abspann bitte sitzenbleiben, da kommt noch eine nette, kleine Nachspeise.
PinkyHH

03.04.2026, 01:32


They blew it!

von Herr_Kees
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Tröööt! Die Neunziger haben angerufen und wollen ihr Horrorkonzept wiederhaben: In guter alter Trashfilmtradition von WISHMASTER, LEPRACHAUN & Co. wird alle Jahre wieder versucht, ein „neues“ Franchise à la OUIJA oder TAROT ins Leben zu rufen, das Studios und Filmemachern ewigen Reichtum einbringt. Vor sechs Jahren war es der zum Glück folgenlos gebliebene Marokko-Dämonen-Beschwörungshorror KANDISHA, hier ist es eine aztekische Todesflöte, in die man tunlichst nicht tuten sollte. Was aber natürlich wieder ein paar ungezogene Highschoolkids machen, sonst wäre der Film wohl noch langweiliger geworden.

Ein Pfiff auf einer Poolparty reicht schon, und alle Anwesenden werden sterben – und zwar so, wie das Schicksal es ohnehin für sie vorgesehen hat, nur eben deutlich früher. Quasi eine verkomplizierte FINAL DESTINATION-Variante, allerdings ohne deren Charme, bösen Witz und Ideenreichtum.

Corin Hardy hat vorher u. a. THE NUN inszeniert und ebenso standardisiert laufen auch hier die Todesszenen ab: auf lange trügerische Stille folgt erst ein falscher Jumpscare, dann ein echter, gelegentlich wird auch variiert. Die Kills selbst sind erschreckend unspektakulär, lediglich ein Autounfall (ohne Auto!) ist dank CGI recht eindrucksvoll geraten.

Nick Frost führt hier (als einziger namhafter Darsteller) seine Phase mit mittelprächtigen Horrorfilmen (KRAZY HOUSE, GET AWAY, BLACK CAB) fort, die toughe Hauptdarstellerin Dafne Keen kennt (und mag) man aus LOGAN und THE ACOLYTE, der Rest der Riege hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Zwischen den Todesfällen gibt es etwas Teeniegeplänkel und Mythenrecherchieren, dass dieses Mal ein gleichgeschlechtliches Pärchen im Fokus steht, ist auch eher Zeichen der Zeit als Progressivität. So sind die Zielgruppen dieses Films nicht in erster Linie Horrorfilmfans, sondern eher amüsierwillige Teens, die im Kino eh lieber knutschen. Viel verpassen sie hier nicht.
Herr_Kees

05.04.2026, 12:38




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